Jaray, Karl: Brief an Karl Kraus. Wien, 9.7.1934
Glaubt er wirklich an die Dauerhaftigkeit und
Durchsetzungskraft eines Regimes von so schmaler
machtpolitischer Basis, daß sie nicht einmal ...
.. die leibliche Sicherheit seines Reprasentanten, also
dem Sitze ihrer Macht .. zu garantieren vermag?
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unwiderlegbaren Greueln aus osterr. Polizeigefagnissen
und Kerkern - - die Bestialitaten des Austro-
faschismus
Kein Wunder, dass die Schandspaziergänge und
Pranger für „Judenliebchen” den stärksten Eindruck
bilden, den der Nat-soz-mus beim Verfasser von „Sittlichkeit
und Kriminalität” hinterlassen hat - -
K. K. .. sanktioniert jede Niedertracht, nur wenn
sie zufällig nicht den Beifall des Herrn Hitler findet, ..
K. K - - - der jetzt, wie glaubwürdige Zeugen versichern,
einen Kranz auf den Sarg D's niederlegen ließ, einen
Kranz mit einer Schleife, deren Inschrift den Mann
der liebsten Verehrung K. K's versicherte, der zweimal
wahrend der Gerichtsverhandlung gegen Wallisch in Leoben
persönlich angerufen und ungeduldig gefragt hat,
ob denn Wallisch noch immer nicht justifiziert
sei, und dessen letzte Regierungshandlung die Anordnung
der Hinrichtung Josef Gerls war.
Münichreiter - „typisches Opfer der Verletzung”, wie K. K.
diesen Märtyrer einer Idee höhnt
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?
während ihn noch 1931 vor der Welt der Starhembergs
ein absolutes Grauen /”Kein Grauen vor der Welt der
Starhemberg, Stumpf und Steidle wird mir ..”/ erfaßt
hat