Kahrer, Max: Brief an Arthur Roessler. o.O., 10.8.1917
der Zeit diese persönliche Fühlung-
nahme eine innige und herzliche
wird. Sie sind kraft Ihrer Veran-
lagung ein Mann, der zielbewusst
seine Wege wandert, auch ich hab
hab das Bestreben hiezu, leider hab ich
durch äußere Erfolglosigkeiten starke
Wandlungen zum Nachteile meiner
Kunst durchgemacht, doch glaub ich
drüber endlich hinaus zu sein. So
still und friedfertig meine Bilder
mich erscheinen lassen, so ist mein
Bestreben immer aufs Reinste, Schärfste
gerichtet, nicht nur in der Kunst,
sondern auch in allen Lebensansichten.
Da ich gedanklich immer auf mich allein
angewiesen, d.h., keinerlei entsprechenden
Verkehr habe, so mag ich zu dem Re-
sultat gekommen sein. Die Endweisheit
meines Lebens muss in der Befriedi-
gung meiner Arbeit liegen, um das
geistige Alleinsein zu überwinden.
Und dieses ist für mich oft schwer
zu ertragen. Doch das zu ändern, lässt
sich nicht erzwingen, und bin wohl
auch selbst Schuld daran, dass es so
gekommen. Hab ich aber schon so Vieles
ertragen, so werde ich diese Resignation
auch noch zu Ende tragen (müssen)
und kommt mal die Stunde wo man
spürt, es geht zu Ende, so wird diese
Stunde im Bewusstsein treuer und