Kienzl, Hermann: Brief an Helene Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 4.7.1917
ihn gerichteten Briefe gezeigt hat,
was ich wohl annehme, so
weißt Du, daß ich keine Auf=
richtigkeit scheute, ihm die
Augen zu öffnen über das
fürchterliche seines rück=
sichtslosen Egoismus. So
schwächlich einer sein mag, in
der Selbstsucht ist der Schwächste
der Stärkste. Er kann nichts
für seine Natur. Ihm fehlt
das Organ des Mit=Fühlens.
Er sieht nie, hört nie, empfindet
nie mit dem anderen. Deshalb,
so gut ich ihm bin, so sehr mich
seine Angelegenheiten betreffen,
verschloß ich meine Welt
notgedrungen vor ihm. Immer,
wenn man je von anderem
als von seinen Dingen spricht,
drängt sich die Überzeugung
auf, er zwinge sich widerwillig
zu halbem Zuhören. Nur