gemäß wendet sich mein ganzes Herz voll Mitleid
Dir zu, der Du in so langen Jahren und gewiß
erst recht in jüngster Zeit Außerordentliches
gelitten hast! Vertraut mit der Eigentüm=
lichkeit tieferer Naturen, sich einen Stachel
in die eigene Brust zu drücken, möchte ich
Dir Eines sagen: nicht der Schatten irgend=
einer Selbstanklage darf Dich berühren! Du
hast im Gegenteil an selbstloser Aufopferung
mehr getan, als mit der Verantwortung
vereinbarlich war, die jeder auch für sein
eigenes Dasein hat. Versteh mich recht: kein
Menschenleben ist, so mein ich, so wertvoll,
daß es nicht hingegeben werden sollte für
einen großen Zweck, für ein geliebtes Wesen;
aber das Mitleid, des Gemütes edelste
Blüte, legt uns Selbstvergeudung auf. In
jedem Fall hast Du vor Deinem Herzen gut
und recht gehandelt - so viele, viele Jahre lang.
An diesem Grab kannst Du Deinen lieben alten
Kopf frei und getrost erheben!
Nun fürcht ich schon, daß auch diese bestge-
meinten Worte Dich verwunden könnten. Deshalb
schweige ich. Und sage Dir nur noch: Auf Erden
verlassen bist Du nicht! Du weißt es. Einer,
der immer Dir gehörte und immer Dir gehören
wird, bin ich.
Innig küsse ich Dich!
Dein Hermann.
Dir zu, der Du in so langen Jahren und gewiß
erst recht in jüngster Zeit Außerordentliches
gelitten hast! Vertraut mit der Eigentüm=
lichkeit tieferer Naturen, sich einen Stachel
in die eigene Brust zu drücken, möchte ich
Dir Eines sagen: nicht der Schatten irgend=
einer Selbstanklage darf Dich berühren! Du
hast im Gegenteil an selbstloser Aufopferung
mehr getan, als mit der Verantwortung
vereinbarlich war, die jeder auch für sein
eigenes Dasein hat. Versteh mich recht: kein
Menschenleben ist, so mein ich, so wertvoll,
daß es nicht hingegeben werden sollte für
einen großen Zweck, für ein geliebtes Wesen;
aber das Mitleid, des Gemütes edelste
Blüte, legt uns Selbstvergeudung auf. In
jedem Fall hast Du vor Deinem Herzen gut
und recht gehandelt - so viele, viele Jahre lang.
An diesem Grab kannst Du Deinen lieben alten
Kopf frei und getrost erheben!
Nun fürcht ich schon, daß auch diese bestge-
meinten Worte Dich verwunden könnten. Deshalb
schweige ich. Und sage Dir nur noch: Auf Erden
verlassen bist Du nicht! Du weißt es. Einer,
der immer Dir gehörte und immer Dir gehören
wird, bin ich.
Innig küsse ich Dich!
Dein Hermann.