Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm und Helene Kienzl. Grieskirchen, 23.7.1926
3.
Verordnungen für Zuhause, u. a. auch einen besonderen - Tee.
(?!)
Ich weiß nicht, was ich davon denken soll. Immer=
hin: ich unterwarf mich - u. bleibe nun Samstag, Sonntag,
Montag in Gallspach (nicht in Grieskirchen, wo ich
bloß heute überachte, um morgen um 6 Uhr früh
zur Tortur zu fahren.)
Wohnen in Gallspach! Habt Ihr eine Ahnung,
was das heißt? Es gelang mir, nach der Visite
ein freies (teures) Zimmer in einem Wirtshaus
zu finden. - Die Fragner=Leute am Brodschimpl
wohnten, vergleichsweise, fürstlich!
Na, das geniert mich wenig. Und
zum Nachdenken werde ich in den 3 Tagen der
Behandlung nicht kommen.
Noch eins. Als ich noch nicht das Hemd
übergezogen hatte, wurde die Tür aufgerissen
und herein strömten 40 Weiblein. Ich fand zuerst
meinen zweiten Stiefel nicht, mußte ihn suchen,
als schon einige der nacketen Blocksbergnymphen
beknistert wurden, u. das Kragenknöpfel
fand ich überhaupt nicht mehr, sodaß ich ohne
es auf die Straße taumelte.
Aber vielleicht - - Die Natur kann zugleich
ulkig und wahrhaft sein. Wer weiß - !
Jetzt leg ich mich in's Bett, denn ich bin
ziemlich hin. Seid umarmt, Ihr Lieben! Euer
Hermann.