Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Berlin, 1.5.1925
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Berlin, den 1. Mai 1925.
Herrn
Professor Dr. Wilhelm Kienzl
Wien II
Schreigasse 6.
Lieber Gulian!
Herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Daß wir über Bruck-
ner noch nichts gebracht hätten, ist allerdings ein Jrrtum. Jn
Nummer 9 (1.Jahrgang, September-Heft) erschien unterm Strich der
Bruckner-Aufsatz von Dr. Felix Gatz und in Nummer 10 (1.Jahr-
gang, Oktober-Heft) abermals ein Feuilleton über die Bruckner-
Jahrhundertfeier in Berlin. Das macht aber nichts. Selbstver-
ständlich bringe ich Deine interessanten Bruckner-Erinnerungen
sehr gerne. Einen kurzen Aufsatz über Schubert oder Mozart oder
über ein anderes spezifisch österreichisches Musikthema hattest
Du ja wahrscheinlich nicht vorrätig. Jch möchte nun Dein Feuille-
ton gleichzeitig mit dem von Specht über Dich bringen,
und zwar, wenn irgend möglich, schon in der nächsten Nummer vom
1.Juni. Voraussetzung aber wäre, daß ich Spechts Aufsatz schon
am 15. Mai erhielte und jetzt postwendend seine sichere Zusage.
Denn, wenn ich nicht mit diesem Beitrag vollkommen sicher rech-
nen kann, muß ich doch gleich andere literarische Beiträge für
die nächste Nummer besorgen. Jch schreibe noch heute an Specht,
bitte Dich aber, ihm telefonisch die Notwendigkeit eines sofor-
tigen Bescheids klar zu machen. Auch könntest Du mir sehr gefällig
sein, indem Du ihm nochmals eindringlich vorstellst, daß sein
Aufsatz nicht mehr als höchstens 170 unserer Druckzeilen umfas-
sen darf und daß ich, wie ich ihm ja deutlich schrieb, damit
rechne, daß er Dich unter dem Gesichtswinkel der österreichischen
Volksoper behandelt.
Nun