Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 14.1.1919
war ich mit dem bekannten Kritiker
Max Kalbeck, einem Maler Hofmann
Frl. Struntz u. Anderen bei Frau Winter
zum Tee geladen, um einige
meiner neuen Kompositionen vor
Kalbeck zu spielen, was für mich
von großem Werte war. Kalbeck gefielen
nämlich die neuen Lieder u. Ländler
ganz ausgezeichnet, weniger aber
die Melodramen, für welches Genre
er gar nichts übrig hat. Er war
ausnehmend liebenswürdig gegen
mich. Auch die Gutheil-Schoder war
dort, u. ihr gefielen die Lieder so
gut, dass sie einige davon in ihren
eigenen Liederabend (6. Februar) auf-
nehmen will, was mich freut.
Abends war ich mit Weingartner's,
Scheidl's etc bei Alten-Deri
zu einem ausgezeichneten Souper
geladen (Parmesan=Pudding, Lungen-
braten mit Reis, Spagetti, gebackenen Er-
däpfelwürstchen, feines Kompot, Brot=
u. Sachertorte, Käse mit Butter, Rot= u.