Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 14.1.1919
Weißwein, feine Zigarren, schw. Kaffee, Bäckereien
Tee, nobelste Schnäpse), das das Ehepaar
zu Ehren der Schweizer Lebensmittel=
Kommission gab. Die beiden Schweizer,
ein Oberst u. Dr. Ferrière, sind reizende
Menschen voll Humor. Toaste. Es ging
recht übermütig zu. Man erkundigte
sich um Dich. Um ½ 2 Uhr (!) erst wurden
wir im Wagen u. in 2 Automobilen (!)
nach Hause geführt. - Eben lese ich
dass der ehemalige Linzer Statthalter
Baron Puthon gestorben ist. - Wein-
gartner strebt eine neu zu schaffende Stel-
le an u. Henny läuft sich für ihn die
Füße ab. So macht sie's eben für
alle! Sie lässt sich das nicht neh-
men. - Heute soll Duhan zu mir
kommen, damit ich ihm meine Lie-
der vorführe. Gestern sind die Volks-
lieder fertig im Verlag Weinberger
erschienen. Freust Dich? Grüße
mir Ida u. alle Gmundener Bekannte.
Die Schleiss=Figur ist noch nicht ange-
kommen. Es umarmt Dich in
Liebe u. Sorge Dein
Wilhelm
Eben schrieb mir Marianne
eine liebe Karte.