Wien, 5. März 1919.
Mein liebes Kind!
Du darfst mir nicht bös' sein, dass ich
Dir erst heute ausführlicher schreibe;
aber ich war derart mit wichtigen, un-
aufschiebbaren Dingen in Anspruch ge-
nommen, dass ein Schreiben bei bestem
Willen nicht denkbar war. Ich habe
viel erlebt u. getan. Vorerst aber
danke ich Dir für Deinen gestrigen lieben
Brief. Deine Wünsche sollen alle erfüllt
werden. Mehl kann ich kriegen, aber
nicht unter 20 Kr., Eier nicht unter 2 Kr.,
Zucker leider keinen (die Fabriken sind ja
alle gesperrt!). Am 14. d.M. schicke ich
Dir wieder 400 Kr. für Deine Zahlungen.
Hier kriegt man gar nichts mehr: Keine
Spur von Fleisch. Elektrische wird um 2 Stun-
den eingeschränkt, ebenso Beleuchtung u.
Beheizung. Auch die Züge sollen wegen der
Mein liebes Kind!
Du darfst mir nicht bös' sein, dass ich
Dir erst heute ausführlicher schreibe;
aber ich war derart mit wichtigen, un-
aufschiebbaren Dingen in Anspruch ge-
nommen, dass ein Schreiben bei bestem
Willen nicht denkbar war. Ich habe
viel erlebt u. getan. Vorerst aber
danke ich Dir für Deinen gestrigen lieben
Brief. Deine Wünsche sollen alle erfüllt
werden. Mehl kann ich kriegen, aber
nicht unter 20 Kr., Eier nicht unter 2 Kr.,
Zucker leider keinen (die Fabriken sind ja
alle gesperrt!). Am 14. d.M. schicke ich
Dir wieder 400 Kr. für Deine Zahlungen.
Hier kriegt man gar nichts mehr: Keine
Spur von Fleisch. Elektrische wird um 2 Stun-
den eingeschränkt, ebenso Beleuchtung u.
Beheizung. Auch die Züge sollen wegen der