Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 5.3.1919
Kohlennot ganz eingestellt werden!
Die Tschechen u. Franzosen sind grausam
wie wilde Tiere gegen uns. Ich habe einen
argen Halsschmerz seit 4 Tagen, bin aber
sonst nicht krank (kein Fieber!). Ich glaube,
es sind Aften; 's tut aber sehr weh.
Nun in aller Kürze meine Erlebnisse!
Samstag war ich in einer ausverkauften Wohl-
tätigkeitsaufführung der „Fledermaus” im
Theater an der Wien (Karte von Bella Alten
erhalten), in der laute Zelebritäten sangen:
Slezak, Jeritza, Bella Alten, Zeska, Gla-
watsch, die Lucille Marcell u. Weingartner
dirigirte. Es war famos, u. ich mußte viel
lachen, besonders über den phlegmatisch-
humoristischen dicken Slezak. Abends
allein zu Hause - mich früh zu Bett gelegt.
Zum „Palestrina”, der eine wundervolle
Aufführung haben soll, erhielt ich keine
Karten, da diese zu wohltätigem Zwecke war.
Sonntag war Vormittags (!) „Sardinenbüchse”,
u. zw. die weitaus interessanteste, die noch
bisher war: Prof Bartsch hielt einen Vortrag