Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 5.3.1919
II zum Brief vom 5. März 1919.
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Dingen viel zu tun. Auch war ich
(Vormittags) in der Orchesterprobe zu mei-
ner „Ostara”, deren Uraufführung Abends
in der öffentlichen Generalprobe zum heu-
tigen dritten Gesellschaftskonzerte stattfand.
Das Werk klingt geradezu berückend
schön. Auch Schalk sagte das.
Es schwelgt, klingt u. singt alles darin wie
in einem von Blütenduft geschwängerten
Frühlingssturm! Das hätte auch Dir
gefallen. Der Saal war ausverkauft
(es war darin: Jüllig's, Henny, Else
Hedding, Kerner, die Gottinger m. Tochter,
Dr. Domenego, Millenkovich u.s.w.) Der
Erfolg war enorm, u. ich wurde wieder=
holt gerufen. Heute Abend ist die erste
offizielle Aufführung der „Ostara” im
eigentlichen Konzert. Darüber berichte
ich Dir nächstens. Außerdem war
gestern noch Folgendes: Ich ließ mir
Haar u. Bart stutzen, war Nachmittags
in der Aufführung der mir noch unbe-