Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 11.3.1919
Wien, 11. März 1919.
Meine liebe Lili!
Die Sonne flutet in mein liebes
Arbeitszimmer u. ich bin trotz vieler
Arbeiten u. Alltagsbesorgungen in meinen
Geld= u. Ernährungsangelegenheiten u. trotz
meines Strohwitwerdaseins recht zu-
frieden. Wie gut könntest Du es jetzt hier
haben. Freilich: die Ernährungsschwierigkeiten
sind jetzt ärger als je; aber die Nachricht von
der Aufhebung der Blockade lässt doch Gu-
tes, wenigstens Besseres, von der nächsten Zeit
erwarten. -
Vom Erfolg meiner ‚Ostara‘ berichtete ich Dir
bereits. DIe bisher erschienenen Kritiken
sind sehr gut. Nun ist auch meine dritte
Kammermusik=Matinée ausgezeichnet von
Stapel gelaufen. Sie war am jüngsten Sonntag
Ich spielte mit Nora Duesberg u. den Herren Mit-
termüller u. Mayer die Klavierquartette in
G-moll von Mozart u. in Es-dur von Schumann
u. dazwischen sang Alfred von Dreger 6 Lieder