Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 2.5.1919
Wien, 2. Mai 1919.
Meine liebe Lili!
Eben kam Deine Schachtel mit der
Butter, 10 Eiern u. den Zeitungen wohl-
behalten an, worüber ich sehr froh bin u.
wofür ich Dir herzlich danke. Deine bei-
gelegter Brief aber ist auffallend kurz,
u. ich kann ihm nicht einmal entnehmen,
wie es Dir geht u. was Du treibst.
Auch schreibst Du kein Wort, ob Du Fol-
gendes erhalten hast:
mein Ostertelegramm vom 19. April
meinen Brief vom 19. April
meine Karte vom 20. April aus Graz
meine Ansichtskarte aus Graz nach dem ‚Evglm.‘
meinen Brief vom 26. April aus Graz (vor der
Abreise)
meine Sendung der Grazer ‚Evglm.‘=Kritiken
meine Geldsendung (700 Kronen) aus Graz.
Warum?
Deine Aufträge werde ich ausführen. Heute
kommt auch die Gottinger zu mir, um nach-
zusehen u. Deine Wünsche zu erfüllen.
Sie hat sich eben telefonisch angesagt.
[links am Rand:] Warum schreibst
Du so wenig? Am 21.
April ging Dein letzter
Brief ab. Grüße
mir Ida bestens!
Mit den Kohlen habe ich riesig gespart. Brauchst du viele?