Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 6.6.1919
schreibt heute ausgezeichnet. Ich
bringe alles mit. Und nun das Hübsche
noch: nach der Vorstellung übergab man
mir als Dirigirhonorar - 2000 Kron
Na, was sagst Du? In Baden verdiente
ich 600 Kr. - Es wird sehr gearbeitet
hier, den ‚Kuhreigen‘ in die ‚Hofoper‘ zu
bringen. Das muß erreicht werden.
Renner will es durchaus. Also hoffen
wir! Oedenburg hat den ‚Kuhreigen‘
gekauft, u. am 1. Juli geht Berlin
damit los. Wiener Autorengesellschaft=Tan-
tième machte für mich 650 Kr aus. Nun
hab' ich noch 2 wichtige Sitzungen u. die Ge-
neralversammlung der Autorengesellschaft.
Ich war sehr überrascht, als der ‚Evangelimn‘
vom 7. auf den 5. Juni zurückverlegt wurde.
Aus technischen Gründen! Hab' nur Ge-
duld!!! Ich kann mich nicht tot machen
mit Hetzen. Habe rasend viel zu tun u. zu
ordnen. Es ist jetzt schön in Wien u. eine
sehr angenehme Temperatur. Auch die Ver-
pflegung ist besser geworden. Ich erhielt noch
eine Schachtel Zigarren, 1 Lesezeichen u. 1 Torte
zur 100. „Evglm”=Auffhrg. - Nun noch die Steuer-
u. Vermögens=Prozeduren! Werde alles tun
was nur möglich ist. Es umarmt Dich Dein
alter Wilhelm.