Kirchl, Adolf: Brief an Edmund Skurawy. Wien, 24.4.1930
Professor
Adolf Kirchl
Wien, 19.Döbl.Hauptstr.44.
24. 4. 30.
Hochgeehrter Herr!
Danke allerschönstens für Ihren lieben Brief, dessen großer
Umfang mich Ihre besondere Zuneigung erkennen läßt.
Unterdessen haben neuerdings verschiedene meiner Bekannten
durch das Lob der vorzüglichen Wiedergabe meines Walzers in Ihrem
Radio-Vortrage mich in Bedauern verfolgt, daß ich damals infolge
anderer Verpflichtungen nicht zuhören konnte. Am 2. Mai ist ärgerlicher-
weise wieder etwas los: 8ʰ abends Begrüßungsabend im Rahmen
der Jubiläumsfeierlichkeiten des „Gesangvereines österr Eisenbahnbeamten“.
Da ich dort mein Erscheinen zugesagt habe und als Ehrenmitglied nicht
fehlen soll, muß ich trachten, in der Nähe des Konzerthauses einen
Bekannten ausfindig zu machen, der einen Hörapparat besitzt. Dann
kann ich auf ein Sprünglein hin und mir wenigstens meinen „Schlaraffen-
walzer“ anhören, auf den ich schon sehr gespannt bin. Ich habe ihn zwar
in meinem Notenarchive, da er ja gedruckt ist, werde ihn aber
absichtlich vorher nicht ansehen.
Ihr freundliches Schreiben hat mich übrigens gestern angeregt,
auf Grund der Jahresberichte des Schubertbundes eine Zusammenstellung
·/.