Kirchl, Adolf: Brief an Edmund Skurawy. Wien, 24.4.1930
aller meiner für Carnevalsfeste des Schubertbundes geschriebene
Sachen anzufertigen. Es stellte sich zu meiner Überraschung heraus,
daß ich 11 Nummern feststellen konnte. Von den meisten war
mir nicht einmal der Titel mehr erinnerlich. Gedruckt sind 4.
Ich werde mir gelegentlich die Partituren aus dem Archiv des
Schubertbundes ausheben lassen und die Sachen durchsehen.
Ihrem Brief entnahm ich, daß sich der Schubertbund bedauerlicherweise
Ihren Unternehmungen gegenüber wenig bereitwillig verhielt. Ich glaube,
daß daran wohl die vielen Verpflichtungen Schuld tragen, die Schwierig-
keiten machten. Näheres darüber vermag ich nicht zu äußern,
da ich seit 17 Jahren, nach Niederlegung meines Chormeisteramtes,
an der Leitung des Vereines nicht mehr beteiligt bin und nur
dessen Aufführungen nach Möglichkeit zu besuchen pflege.
Jedenfalls tut mir leid, daß Ihnen durch die Anschaffung des
Notenmaterials Unkosten erwachsen sind.
Mit größtem Vergnügen habe ich Ihren jedem richtigen alten
Wiener zu Herzen gehenden Aufsatz „Wiener Bilder aus vergangener
Zeit“ im „Getreuen Eckart (Aprilheft) gelesen.
Wenn man solch alter Bursch ist wie ich, trachtet man in seinen
Sachen Ordnung zu machen und allerhand auszumustern. Ich habe in
letzter Zeit meine vielen Notenhandschriften gesichtet, massenhaft den