Die Sachen mit Italien müssen wirklich schlecht
stehen, oder aber es gibt bei uns eine Partei, die
den Krieg mit Italien wünscht. Ich verstehe von
Politik nichts und schaue alles durch mein
leidenschaftliches Künstlerauge an; ich bin befangen
und wie mich der Krieg mit Frankreich schmerzt,
so würde mich der mit Italien nicht unberührt
lassen, weil ich dorthin auch verwandtschaftliche
Beziehungen habe.
Ich arbeite an etwas sehr Schönem - und
will darüber nicht nach rechts und nach links
schauen. Aber man bleibt heutzutage nicht eine
Woche verschont. Mein Freund Sonderegger (Schweiz)
reist nach Paris ab - ich warte mit Herzklopfen, was
er über unser Heim dort berichtet. Meine Studien -
meine Bücher und viele teure Erinnerungen!
Wir sind Gottlob alle gesund und erhoffen dasselbe
auch von Ihrem lieben Familienkreise und daß
es Ihrer Schwester zum Besseren gehe.
Wann wird der heißersehnte Friede kommen?
Für uns sind die Zeiten drückend. Das nötige Geld
erhalte ich vom Künstlerfürsorgekomitee, und wenn man
dasselbe auch sehr vornehm gibt - eine Unterstützung
zum bloßen lebenkönnen ist harter Kreuzer.
Ich bin hier ganz ohne Anregung und Bewegung.
Seit Mai 1914 habe ich (außer den Tizian bei Moll) kein Bild
gesehen - ließ meine Sammlung von Reproduktionen in
Frankreich, verfüge über keine Bücher. Es scheint mir, daß ich
es noch nötig habe meine Kraft mit anderen zu messen -
sie herauszufordern. Man kann leicht Unfug tun - wie ich
als Bub getan habe, indem ich Blumen und Disteln die Köpfe
abgeschlagen habe aus Übermut.
Herzliche Grüße
Ihr ergebenster Anton Kolig
stehen, oder aber es gibt bei uns eine Partei, die
den Krieg mit Italien wünscht. Ich verstehe von
Politik nichts und schaue alles durch mein
leidenschaftliches Künstlerauge an; ich bin befangen
und wie mich der Krieg mit Frankreich schmerzt,
so würde mich der mit Italien nicht unberührt
lassen, weil ich dorthin auch verwandtschaftliche
Beziehungen habe.
Ich arbeite an etwas sehr Schönem - und
will darüber nicht nach rechts und nach links
schauen. Aber man bleibt heutzutage nicht eine
Woche verschont. Mein Freund Sonderegger (Schweiz)
reist nach Paris ab - ich warte mit Herzklopfen, was
er über unser Heim dort berichtet. Meine Studien -
meine Bücher und viele teure Erinnerungen!
Wir sind Gottlob alle gesund und erhoffen dasselbe
auch von Ihrem lieben Familienkreise und daß
es Ihrer Schwester zum Besseren gehe.
Wann wird der heißersehnte Friede kommen?
Für uns sind die Zeiten drückend. Das nötige Geld
erhalte ich vom Künstlerfürsorgekomitee, und wenn man
dasselbe auch sehr vornehm gibt - eine Unterstützung
zum bloßen lebenkönnen ist harter Kreuzer.
Ich bin hier ganz ohne Anregung und Bewegung.
Seit Mai 1914 habe ich (außer den Tizian bei Moll) kein Bild
gesehen - ließ meine Sammlung von Reproduktionen in
Frankreich, verfüge über keine Bücher. Es scheint mir, daß ich
es noch nötig habe meine Kraft mit anderen zu messen -
sie herauszufordern. Man kann leicht Unfug tun - wie ich
als Bub getan habe, indem ich Blumen und Disteln die Köpfe
abgeschlagen habe aus Übermut.
Herzliche Grüße
Ihr ergebenster Anton Kolig