Kralik, Richard: Brief an Joseph Eberle. o.O., 3.3.1917
3. 3. 17. Lieber Freund und Doktor Eberle! Dr. Katann hat
am Schluß der letzten Zusammenkunft alles zusammengefaßt in
das Wort: Mehr Enthusiasmus! Sehr gut, aber auch mehr nüch-
ternes Abwägen! Was z.B. mich betrifft, so verlange ich kein enthu-
siastisches Lob, sondern nur die nüchterne Feststellung, daß eben einfach
niemand anderer in der ganzen Weltliteratur etwas gleiches gemacht
hat wie meine 100 Heimaterzählungen, keiner etwas gleiches wie meine
Heptalogie „die Revolution”, die ich sich selber habe aus dem größten Stoff
der Weltgesch. zusammendichten lasen. Keiner hat das „Deutsche Götter-
u. Heldenbuch” so vollständig, so getreu, so konservativ, so umfassend
rhapsodiert wie ich. Es gibt keinen lebenden Philosophen, der ein System
wie meine „Weltweisheit” gestaltet hat, usw. usw. Ob all
das echt ist, ob es den Jahrhunderten trotzen wird, das kann kein
Kritiker sagen. Ich glaube es. Aber es ist sicher, daß es da ist,
und doch will es niemand sehn. Niemand erwähnt es. Das
Publikum, das nur die R.P. liest und nicht die Bücher,
wird sicher zur Mehrheit glauben, ich habe nur Leitartikel
geschrieben. Ist es verboten zu sagen, daß ich alles das geschrieben
habe, wovon man immer hört und liest, es sollte geschrieben
werden. Eine kath. Schriftstellerin hat vor Jahren in
der R.P. geschrieben, die Katholiken sollten doch auch auf