Kralik, Richard: Brief an Hermann Bahr. Wien, 17.4.1916
Wien 17. 4. 16
Lieber Freund, Ihre „Himmelfahrt” hab ich
bekommen und lese sie, oder lasse sie mir vielleicht von meiner
Frau mit langsamem Genuß vorlesen. Nun kommt eben vor
3-4 Stunden Ihre „Stimme” und ich habe mich beeilt, sie
sofort zu lesen, damit Sie umgehend Antwort haben. Ich kann
Ihnen natürlich nur das sagen, was Sie selber fühlen und
wissen, denn sonst hätten Sie mir Ihr Werk nicht geschickt, wenn
Sie nicht schon wüßten, was ich Ihnen sagen kann. Ich
weiß es von mir selber. ― So hab ich Ihnen also auf Seite
45, 53 und auf S. 7, 10 des 3. Aktes mit Bleistift einiges be-
merkt, weniger weil es etwa anstößig wäre, sondern weil
ich das Gefühl habe, daß in ähnlichen Fällen dergleichen
von Katholiken nicht so ausgedrückt wird. Ferner hab ich
auf S. 12, 14, 15 u. 17 des dritten Aktes Randzeichen gemacht, über deren
Bedeutung ich hier einiges sagen möchte. Es schiene mir gut,
wenn Sie auf S. 17 beim himmlischen Radium den Zingerl
ebenso wie im Roman die Kühnheit des Vergleichs betonen