aufgefunden wurden, die Gestalt Dürers lebendig
gemacht hätte, und da nur konnte ich zwischen
den Zeilen Dürers, den eigentlichen Dürer finden.
Ich bin so unendlich zaghaft, weil ich als Selbst=
erzieher in mein Erziehungswerk kein Vertrauen
besitze, ich schwanke haltlos in meinen Empfindun=
gen und doch sind diese so reich, so erdrückend. Wäre
ich ein Jüngling, ich wollte meine Studien nochmals
beginnen um festeren Halt in mir zu haben. Wie
vielen Anderen konnte ich nutzen, nur mir nicht!
Was ich in der Niederschrift meines „Der Deutsche Hei=
land“ durchgemacht habe, wäre ein Roman für
sich: ein Roman eines Verzweifelnden. Nun
ist das Werk fertig und ich fühle mich so, als dürfte mir
das Liebste gestorben sein, leer und vereinsamt.
Lieber Herr Ginzkey, würde es Ihnen große Opfer brin=
gen an Ihrer Feinfühligkeit, wenn Sie mir nur eine
Empfehlungskarte an Staakmann schreiben wollten,
dem ich sie meinem Elaborat über mein Werk bei=
legen dürfte? Ich weiß, wie schwer es für Sie sein
mag einem Autor eines Dürerbuches ein Wort zu
reden, da Sie doch ein solches Buch, freilich vollendet
und wie eine Perle geschliffen, was bei meiner Arbeit
nicht der Fall sein kann, geschrieben haben. Aber ich
hab doch das ganze Leben Dürers, von einem Roman
umrankt, aus dem sein Wesen und Wirken hervor=
geht, geschildert und ganz andere Ziele verfolgt. Ich
war bestrebt das Werk Dürers gemeinverständlich zu
machen, seine Zeit zu beleben aus der heraus ich ihn
beleben konnte. Also kein Konkurrenzbuch! Die
Weiten meiner Dichtung betreffen die ganze Zeitge=
schichte die die Kunstgeschichte hervorbrachte. *)
Nochmals vielen Dank für die beiden „Ginzkeybüchlein“
und ich hoffe, daß Sie inzwischen die Postkarten und die bei=
den Landschaften (einstweilen) erhalten haben.
Mit Handkuß an Ihre verehrte Frau Gemahlin und
Empfehlungen meiner Lieben, Ihr Sie verehrender
H.CKosel.
Zur 400 Jahrfeier von Dürers Tode 1528 - 1928, gedacht.
gemacht hätte, und da nur konnte ich zwischen
den Zeilen Dürers, den eigentlichen Dürer finden.
Ich bin so unendlich zaghaft, weil ich als Selbst=
erzieher in mein Erziehungswerk kein Vertrauen
besitze, ich schwanke haltlos in meinen Empfindun=
gen und doch sind diese so reich, so erdrückend. Wäre
ich ein Jüngling, ich wollte meine Studien nochmals
beginnen um festeren Halt in mir zu haben. Wie
vielen Anderen konnte ich nutzen, nur mir nicht!
Was ich in der Niederschrift meines „Der Deutsche Hei=
land“ durchgemacht habe, wäre ein Roman für
sich: ein Roman eines Verzweifelnden. Nun
ist das Werk fertig und ich fühle mich so, als dürfte mir
das Liebste gestorben sein, leer und vereinsamt.
Lieber Herr Ginzkey, würde es Ihnen große Opfer brin=
gen an Ihrer Feinfühligkeit, wenn Sie mir nur eine
Empfehlungskarte an Staakmann schreiben wollten,
dem ich sie meinem Elaborat über mein Werk bei=
legen dürfte? Ich weiß, wie schwer es für Sie sein
mag einem Autor eines Dürerbuches ein Wort zu
reden, da Sie doch ein solches Buch, freilich vollendet
und wie eine Perle geschliffen, was bei meiner Arbeit
nicht der Fall sein kann, geschrieben haben. Aber ich
hab doch das ganze Leben Dürers, von einem Roman
umrankt, aus dem sein Wesen und Wirken hervor=
geht, geschildert und ganz andere Ziele verfolgt. Ich
war bestrebt das Werk Dürers gemeinverständlich zu
machen, seine Zeit zu beleben aus der heraus ich ihn
beleben konnte. Also kein Konkurrenzbuch! Die
Weiten meiner Dichtung betreffen die ganze Zeitge=
schichte die die Kunstgeschichte hervorbrachte. *)
Nochmals vielen Dank für die beiden „Ginzkeybüchlein“
und ich hoffe, daß Sie inzwischen die Postkarten und die bei=
den Landschaften (einstweilen) erhalten haben.
Mit Handkuß an Ihre verehrte Frau Gemahlin und
Empfehlungen meiner Lieben, Ihr Sie verehrender
H.CKosel.
Zur 400 Jahrfeier von Dürers Tode 1528 - 1928, gedacht.