SCHRIFTSTELLER
RAT HERM. CL. KOSEL
WIEN, AM 4. Mai 1927
I., ASPERNPLATZ I
TELEPHON 95-4-25
Sehr verehrter Herr Ginzkey.
Es drängt mich, Ihnen wieder zu schreiben, so sehr
Sie auch Briefe nicht leiden mögen. Aber Sie, als Ursache,
daß ich mich der Oper zuwandte, sollen wissen, daß ich mich
zur Zufriedenheit der Komponistin bewährt habe. Es ist
ein großes, bedeutsames Werk entstanden, das wohl zur
gegebenen Zeit Erfolg haben wird, weil es seelisch den Hörer
schon in der Textfassung ergreift; wenn erst die Musik
gelingt, die bei Frau Lieses Enthusiasmus wohl den
sieghaften Aufschwung nehmen wird, dann kann das
Werk packend werden.
Auch ein anderes, was Ihre Teilnahme erweckt hatte, mein
Dürer-Schauspiel: „Die deutsche Venus“, ist vom Burg=
theater-Dramaturgen sehr günstig beurteilt worden. Doch
überstieg meine Erwartung der fabelhafte Einschlag dieses
seriösen Schauspiels beim „Münchener Theater-Verlag.“
Justizrat Bogendörfer griff mit beiden Händen zu, er meint
das Werk wäre ein Wurf in die Zeit: „Diesem Werk kann keine
ernstliche Konkurrenz drohen, denn es ist meisterhaft in der
Forderung der historischen Reminiscenz, mit tiefster Verinn=
erlichung in literarisch vornehmster Form geschrieben und
mit eindruckreichster Bühnenreife vereinigt: ein siegbe=
rufenes dramatisches Jubiläumswerk deutscher Wesenheit,
das bleibenden Wert behalten wird.“
Nun soll endlich mein armer Dürer auch verfilmt werden, ich
schrieb das Filmregiebuch innerhalb einer Woche. Wenn die
Finanzierung gelingt, soll ein Großfilm daraus werden. Die Nürn=
berger Stadtvertretung ist sehr interessiert daran, Gott gäbe es, daß
mir endlich die große Mühe gelohnt werde.
RAT HERM. CL. KOSEL
WIEN, AM 4. Mai 1927
I., ASPERNPLATZ I
TELEPHON 95-4-25
Sehr verehrter Herr Ginzkey.
Es drängt mich, Ihnen wieder zu schreiben, so sehr
Sie auch Briefe nicht leiden mögen. Aber Sie, als Ursache,
daß ich mich der Oper zuwandte, sollen wissen, daß ich mich
zur Zufriedenheit der Komponistin bewährt habe. Es ist
ein großes, bedeutsames Werk entstanden, das wohl zur
gegebenen Zeit Erfolg haben wird, weil es seelisch den Hörer
schon in der Textfassung ergreift; wenn erst die Musik
gelingt, die bei Frau Lieses Enthusiasmus wohl den
sieghaften Aufschwung nehmen wird, dann kann das
Werk packend werden.
Auch ein anderes, was Ihre Teilnahme erweckt hatte, mein
Dürer-Schauspiel: „Die deutsche Venus“, ist vom Burg=
theater-Dramaturgen sehr günstig beurteilt worden. Doch
überstieg meine Erwartung der fabelhafte Einschlag dieses
seriösen Schauspiels beim „Münchener Theater-Verlag.“
Justizrat Bogendörfer griff mit beiden Händen zu, er meint
das Werk wäre ein Wurf in die Zeit: „Diesem Werk kann keine
ernstliche Konkurrenz drohen, denn es ist meisterhaft in der
Forderung der historischen Reminiscenz, mit tiefster Verinn=
erlichung in literarisch vornehmster Form geschrieben und
mit eindruckreichster Bühnenreife vereinigt: ein siegbe=
rufenes dramatisches Jubiläumswerk deutscher Wesenheit,
das bleibenden Wert behalten wird.“
Nun soll endlich mein armer Dürer auch verfilmt werden, ich
schrieb das Filmregiebuch innerhalb einer Woche. Wenn die
Finanzierung gelingt, soll ein Großfilm daraus werden. Die Nürn=
berger Stadtvertretung ist sehr interessiert daran, Gott gäbe es, daß
mir endlich die große Mühe gelohnt werde.