Was ich an Erfreulichem aus dem Reiche empfange, läßt mich
bedenken, Österreich links liegen zu lassen. Mein „Waldmüller“
hat Herrn Rainaerer sehr gefallen, er hatte mir geraten, ihn erst dem
Amalthea-Verlag zum Lesen zu geben, ehe ihn der Chefredakteur des
Tagblatt liest um zu entscheiden. Seit dem 8. Februar liegt das
Manuskript nun beim Amalthea-Verlag, obzwar man mir
zusicherte, innerhalb 3 Wochen darüber zu bestimmen. Auf wieder=
holte Anfragen erhielt ich keinen Bescheid. Gestern telephonierte ich,
da hieß es, der Lektor habe es noch nicht gelesen. !!
Wenn man bedenkt, daß ich das Schauspiel am 16. April dem Theater=
verlag schickte, am 20. April den Vertrag in Händen hatte und nun
das Buch schon 80 mal als Bühnenmanuskript vervielfältigt
und verschickt ist, da muß man an Österreichs Schlafmützentum
verzweifeln. Und wenn man erlebt, daß in der kurzen Frist von
zwei Briefwechseln die Deutsche Filmindustrie schon für den Film
interessiert wird, noch ehe ich das Filmbuch geschrieben, da
muß man es tief beklagen, seine Lebenskraft dem Vaterland ge=
opfert zu haben, das mich ruhig verhungern ließe.
Es wird kommen, daß ich zu meinem 60. Geburtstag werde aus=
wandern müssen. Ich kann von meinem Niveau nicht herunter
steigen und Wien verlangt Kitsch. Mein Atelier ist tod.
Erfreulich ist es, daß der „Theater-Verlag“ meinen Wunsch erfüllt
und Wilh. Klisch als Darsteller des Dürer in Nürnberg etw. vor=
schlägt. Klitsch liebt ja die Rolle und wenn alles glückt, wird ihm
neuer Lorbeer erblühen, von dem ein Stenglein wohl auch mir
zufallen könnte.
Und nun, lieber Herr Ginzkey, drängeln Sie Frau Mayer, daß sie
bald den „Michelangelo“ vollende, damit ich Ihren „Gaukler“ für
die Oper zurechtschmieden kann.
Wenn Sie einmal eine Minute Zeit oder Lust haben, mir auf einer
Karte zu schreiben, was Sie von meinem letzten Buch halten, werden Sie
mir eine große Freude bereiten.
Es grüßt Sie verehrungsvoll, Ihrer lieben Gattin meine
Handküße vermeldend
Ihr
H.C.Kosel.
Im Juni heiratet meine Tochter nach Italien.
bedenken, Österreich links liegen zu lassen. Mein „Waldmüller“
hat Herrn Rainaerer sehr gefallen, er hatte mir geraten, ihn erst dem
Amalthea-Verlag zum Lesen zu geben, ehe ihn der Chefredakteur des
Tagblatt liest um zu entscheiden. Seit dem 8. Februar liegt das
Manuskript nun beim Amalthea-Verlag, obzwar man mir
zusicherte, innerhalb 3 Wochen darüber zu bestimmen. Auf wieder=
holte Anfragen erhielt ich keinen Bescheid. Gestern telephonierte ich,
da hieß es, der Lektor habe es noch nicht gelesen. !!
Wenn man bedenkt, daß ich das Schauspiel am 16. April dem Theater=
verlag schickte, am 20. April den Vertrag in Händen hatte und nun
das Buch schon 80 mal als Bühnenmanuskript vervielfältigt
und verschickt ist, da muß man an Österreichs Schlafmützentum
verzweifeln. Und wenn man erlebt, daß in der kurzen Frist von
zwei Briefwechseln die Deutsche Filmindustrie schon für den Film
interessiert wird, noch ehe ich das Filmbuch geschrieben, da
muß man es tief beklagen, seine Lebenskraft dem Vaterland ge=
opfert zu haben, das mich ruhig verhungern ließe.
Es wird kommen, daß ich zu meinem 60. Geburtstag werde aus=
wandern müssen. Ich kann von meinem Niveau nicht herunter
steigen und Wien verlangt Kitsch. Mein Atelier ist tod.
Erfreulich ist es, daß der „Theater-Verlag“ meinen Wunsch erfüllt
und Wilh. Klisch als Darsteller des Dürer in Nürnberg etw. vor=
schlägt. Klitsch liebt ja die Rolle und wenn alles glückt, wird ihm
neuer Lorbeer erblühen, von dem ein Stenglein wohl auch mir
zufallen könnte.
Und nun, lieber Herr Ginzkey, drängeln Sie Frau Mayer, daß sie
bald den „Michelangelo“ vollende, damit ich Ihren „Gaukler“ für
die Oper zurechtschmieden kann.
Wenn Sie einmal eine Minute Zeit oder Lust haben, mir auf einer
Karte zu schreiben, was Sie von meinem letzten Buch halten, werden Sie
mir eine große Freude bereiten.
Es grüßt Sie verehrungsvoll, Ihrer lieben Gattin meine
Handküße vermeldend
Ihr
H.C.Kosel.
Im Juni heiratet meine Tochter nach Italien.