Kraus, Karl: Brief an Germaine Goblot. o.O., 24.7.1929
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über mich sagen, sondern dafür, dass Sie das
Unsägliche so miterleben und erfassen konnten.
Es trifft sich nun gut, dass mir die erste
der Nächte nach einer unvorstellbaren Arbeit
in Hass und Hitze etwas Zeit gewährt, den
Ausdruck schönerer Empfindung Ihrem Schrei-
ben auf dem Fuß folgen zu lassen.
Umso schlechter dürfte sich's leider in dem
Sachlichen treffen, das es anregt. Just zwischen
dem 8. und dem 20. September, in der Zeit,
für die Sie Ihr sonst so erfreuliches Eintreffen
versprechen, soll ich in Berlin sein: wegen der Proben
und der Aufführung der „Letzten Nacht“ (die ü=
brigens in New York nur vorgelesen wurde).
Sie wollen mich, wie Sie sagen, um man-
chen Rat bitten, mich, der vor Ratlosigkeit
nicht einmal weiß, wohin er sich wenden soll.
Zunächst und - was Sie ja so gut verstehen -
überhaupt. Nun wäre aber eines möglich. Ich
werde mich eine Woche lang in Böhmen
aufhalten und hatte die Absicht, dann nach
einer Insel Porquerolles (Hyères) bei Toulon zu gehen,
von der mich freilich die Kunde, dass dort
ein „Verehrer“ weilen soll, ein wenig zurückhält.
Bitte, sehr geehrtes Fräulein Goblot, wissen Sie in
der dortigen Gegend von einem Punkt, wo es
Wasser, Ruhe und etwas Grün gibt, das ich in
diesem Sommer - außer dem vom Vorgarten
der französischen Gesandtschaft, an dem ich täg=
lich vorbeigehe - nicht gesehen habe. Wenn