Kralik, Maia von: Brief an die Söhne. o.O., 2.7.1927
2 Juli 1927
Mein lieben Söhne.
Heute an meinem
Geburtstag, an der Schwelle des
ganz Altwerdens richte ich ein Wort
und eine Bitte an Euch. Erlaubt, dass
ich Euch die Lage, in die ich jetzt gekommen
bin, erklären kann. Wir haben im Herbst
4000 Schilling eingenommen, davon habe ich
2000 angelegt, die mir im Mai 60 Sch. gelegt
haben, was außerordentlich gut war. Von den
übrigen 2000 habe ich zu Weihnachten und für
außergewöhnliche Auslagen 900 gebraucht. Anfangs
Juni hatte ich noch 1100. Im Juni, der gar keine
sonstige Einnahme brachte, aber doch außergewöhnliche
Ausgaben, mußte ich 200 S. zusetzen.
Durch die Krankheiten der letzten 2 Jahre
die mich so mager machten, ist auch in meinem
Mund Unheil geschehen. Es mußte eine Brücke
gemacht werden und Reparaturen. Dazu
brauche ich nun Geld. Ich kann ganz langsam