Kraus, Karl: Brief an Tomáš Masaryk. Wien, 23.8.1933
28.August 1933
An den Präsidenten
der tschechoslowakischen Republik
Hochverehrter Herr Präsident !
Die äußere Berechtigung, mit diesem gewiß ungewöhnlichen
Schritt an Sie heranzutreten, schöpfe ich aus dem Gefühl der
Dankbarkeit für die Ehre, die Sie mir sowohl durch die Würdigung
meines Werkes wie durch die Einladung zu einemGespräch erwiesen
haben. Der Entschluß erwächst mir aus dem Drange, Namen und
Ansehen Ihrer von den Resten einer Kulturmenschheit verehrten
Person aus einer Verbindung gelöst zu wissen, die zufolge eines
begreiflichen Mangels an Kenntnis des Milieus und der Individu-
alität des Partners zustandezukommen droht. Ein gewißer Willy
Haas, der zwar gebürtiger Prager ist, aber kein solcher, auf den
Prag stolz zu sein Ursache hat, beabsichtigt daselbst die Fort-
setzung seines in Berlin beendeten literarischen Geschäfts, indem
er die Gründung einer Zeitschrift „Die Welt im Wort“ ankündigt.
In dieser Ankündigung findet sich die Stelle:
Dieser neuen Zeitschrift begegnet man bereits mit dem
größten Interesse.
Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Masaryk,
hat bereits zugesagt, einen Eröffnungsartikel der „Welt im
Wort“ zur Verfügung zu stellen.
Es ist nun in Anbetracht des literarischen Vorlebens des
Herrn Willy Haas wohl möglich, und es wäre die weit erträglichere
Möglichkeit: daß es sich bloß um eine eskomptierte Hoffnung, also