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28.August 33
um ein Reklamemanöver handelt, und es könnte in diesem Fall gewiß
nicht der Kanzlei des Präsidenten zugemutet werden, daß sie einer
Berechnung, deren Unwahrheit sich ohnedies herausstellen würde,
auch nur durch die Ehre einer Berichtigung entgegenkommt. In die-
sem Falle wäre meine Besorgnis gegenstandslos geworden, welche
sich vorläufig darauf stützt, daß Herr Haas wider Erwarten die
Wahrheit gesagt und daß Sie, hochverehrter Herr Präsident, sich
tatsächlich bereit erklärt hätten, sein Unternehmen durch einen
„Eröffnungsartikel“ zu fördern. Für diesen Fall, von dem ich
überzeugt bin, daß er nur auf Grundlage eben des Mangels einer
Information möglich geworden ist und nach deren Beibringung nicht
existent sein wird, gestatte ich mir, Sie, hochverehrter Herr
Präsident, auf den Fehleindruck der beabsichtigten Unterstützung
aufmerksam zu machen. Er würde darin bestehen, daß Herr Willy
Haas das Air eines von der deutschen Barbarei verfolgten und von
seiner Heimat aufgenommenen Kulturträgers, das er offenbar an-
strebt, legitimiert durch das höchste Ansehen innerhalb dieser
Heimat, genießen dürfte. Es würde bedeuten, daß, während die
wahren Opfer in der Berufsgenossenschaft des Willy Haas, die auch
vielfach ein physisches Martyrium durchmachen, jedes Zuspruchs
entbehren müssen, weil auch der humanste Führer der Menschheit
die Grenzen der Amtsführung leider nicht überschreiten kann -
es würde bedeuten, daß gerade der Herausgeber der Berliner
„Literarischen Welt“ unter der Ägide eines Schutzherrn europäischer
Gesittung in die Freiheit einzieht. Daß er durch seine literarische
Vergangenheit keineswegs dazu berufen ist, würde sofort an den
in der „Fackel“ veröffentlichten Dokumenten ersichtlich, aus denen
eine höchst unsaubere Verquickung der an und für sich zweifelhaften
28.August 33
um ein Reklamemanöver handelt, und es könnte in diesem Fall gewiß
nicht der Kanzlei des Präsidenten zugemutet werden, daß sie einer
Berechnung, deren Unwahrheit sich ohnedies herausstellen würde,
auch nur durch die Ehre einer Berichtigung entgegenkommt. In die-
sem Falle wäre meine Besorgnis gegenstandslos geworden, welche
sich vorläufig darauf stützt, daß Herr Haas wider Erwarten die
Wahrheit gesagt und daß Sie, hochverehrter Herr Präsident, sich
tatsächlich bereit erklärt hätten, sein Unternehmen durch einen
„Eröffnungsartikel“ zu fördern. Für diesen Fall, von dem ich
überzeugt bin, daß er nur auf Grundlage eben des Mangels einer
Information möglich geworden ist und nach deren Beibringung nicht
existent sein wird, gestatte ich mir, Sie, hochverehrter Herr
Präsident, auf den Fehleindruck der beabsichtigten Unterstützung
aufmerksam zu machen. Er würde darin bestehen, daß Herr Willy
Haas das Air eines von der deutschen Barbarei verfolgten und von
seiner Heimat aufgenommenen Kulturträgers, das er offenbar an-
strebt, legitimiert durch das höchste Ansehen innerhalb dieser
Heimat, genießen dürfte. Es würde bedeuten, daß, während die
wahren Opfer in der Berufsgenossenschaft des Willy Haas, die auch
vielfach ein physisches Martyrium durchmachen, jedes Zuspruchs
entbehren müssen, weil auch der humanste Führer der Menschheit
die Grenzen der Amtsführung leider nicht überschreiten kann -
es würde bedeuten, daß gerade der Herausgeber der Berliner
„Literarischen Welt“ unter der Ägide eines Schutzherrn europäischer
Gesittung in die Freiheit einzieht. Daß er durch seine literarische
Vergangenheit keineswegs dazu berufen ist, würde sofort an den
in der „Fackel“ veröffentlichten Dokumenten ersichtlich, aus denen
eine höchst unsaubere Verquickung der an und für sich zweifelhaften