Kulka, Georg: Brief an Andreas Thom. o.O., 3.8.1920
Sehr geehrter Herr Andreas Thom,
„ich leide“ mehr als unter dem bevorstehenden
Prozeß (dem ich zu mich zu entziehen wissen
werde) und der Reue, mir selbst ein Bein
gestellt zu haben, an der Enttäuschung, daß
Herr Buschbeck (der als Beamter allerdings
nach einem komment zu handeln verpflichtet
ist) nicht und daß auch Sie nicht eines Nachts
seit dem 22. Juli erwacht sind und sich
vorstellen können, wie ich und mein Verhalten
zu geistigen Dingen denn im allgemeinen
beschaffen war, um daraus für den gegenwärtigen
Fall einen Schluß zu ziehen; und ich stelle mir
vor, wie ich etwa einem zwar unbeträchtlichen
und unsympathischen, aber doch recht sauberen
Autor gegenüber in solcher Situation gehan-
delt hätte. Meine einzige Sorge war es
bisher, Herrn Buschbeck zu schützen, obwohl
ich den definitiven Nachweis zu führen imstande
bin, daß eine Arbeit von Kulka bereitwilligerer
Aufnahme sicher war als eine Jean Pauls.
Der Verlag Strache hat nicht den mindesten
Grund, das Heft 11/12 nicht erscheinen zu lassen;
es wird erscheinen und, falls Herr Buschbeck
bis dahin nicht zur Einsicht kommt, meine
„Aburteilung“ darin. Nur würde es sich emp-
fehlen, Ausdrücke wie „Betrug“, „Unsau-
berkeit” und „Büberei“ zu entfernen,