Lanckoroński, Karl: Brief an Richard Weiskirchner. Wien, 15.3.1919
angebracht, die Belichtung mangelhaft, die Dekorationen der Räume
störend. Durch Direktor Glück ist die Neuaufstellung der Galerie,
soweit es die ungünstigen Raumverhältnisse zulassen, zum großen
Teil glücklich vollendet, teilweise angebahnt. In einem anderen
Lokale könnten die Meisterwerke noch besser isoliert und zur
Geltung gebracht werden. Die Hauptgalerie und die Sekundär-
galerie, deren Schaffung eine Notwendigkeit war, um die eigentlichen
Bilderschätze sich nicht unter der Masse von teilweise sehr inter-
essanten, aber doch weniger wertvollen Gemälden verlieren zu
lassen, würden am besten z. B. im Belvedere untergebracht, wo
die kaiserliche Galerie lange Zeit hindurch viel schöner aufgestellt war
als sie es jetzt im Hofmuseum ist, und wo die Hauptgalerie im oberen,
die Sekundärgalerie im unteren Belvedere Platz finden könnte.
Ob die Abteilung moderner Bilder den anderen Abteilungen
angegliedert oder separat aufgestellt werden könnte, wäre eine
später zu entscheidende Frage. Ebenso, ob die Münzensammlung
beisammen zu bleiben hätte, oder in zwei Abteilungen getrennt
aufzustellen wäre, die eine in der Antikensammlung, die andere
im Anschlusse an die durch Skulpturen des Mittelalters und der
Renaissance bereicherte Gemäldegalerie, oder angereiht den
Gegenständen der Schatzkammer.
Im Naturhistorischen Hofmuseum befindet sich übrigens eine
Anzahl von wertvollen west- und ostasiatischen Kunstwerken, die
als "ethnographische Gegenstände" dahin eingereiht sind und den
Kunstsammlungen angegliedert werden sollten.
Die unglückliche Aufstellung von Canovas Theseus, der den
Minotaurus erschlägt, im Stiegenhause des Kunsthistorischen Hof-
museums könnte wohl bald wieder gut gemacht werden und
Canovas Marmorgruppe in den Theseustempel im Volksgarten
zurückwandern, der vor 100 Jahren dafür erbaut wurde und wo
allein sie den vom Künstler beabsichtigten Eindruck machen kann.
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