Der herrliche Saal der Hofbibliothek, einer der schönsten
der Erde, müßte unverändert bleiben, die in den Kellern aufge-
stapelten Bücherbestände von dort entfernt und es müßte für sie
Platz geschafft werden. Vielleicht könnten die ehemaligen Redouten-
säle, auch der große Festsaal der neuen Burg und sonst eine Anzahl
daranstoßender Räume dazu adaptiert werden.
Von den beiden Hoftheatern entspricht die Oper als Bauwerk
glänzend ihrer Bestimmung; sie war der erste und ist der einzig
wirklich zweckentsprechende von den großen Wiener Bauten der
zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Und daß er wirklich eine
glückliche Lösung der Aufgabe war, zeigte sich besonders deutlich
durch die Anfeindungen, denen er, wie alles wirklich Neue und
und [sic] bahnbrechend Ungewohnte bei seiner Entstehung begegnete.
Von den zwei Architekten des Operntheaters hat sich der eine
wegen dieses Verkanntseins erschossen, der andere ist aus Kummer
gestorben, während die Baukünstler, welche die übrigen monumen-
talen Aufgaben jener Jahre verschwenderisch und unvollkommen,
aber dem damaligen Geschmack entsprechend lösten, mit Ehren
und Ruhm bedeckt ins Grab gestiegen sind.
Wie die Oper der trefflichste, ist außer den Hofmuseen das
Burgtheater der mißlungenste dieser Prunkbauten. Schon gleich
nach Eröffnung dieses Hauses wurden gewichtige Stimmen laut,
die es das Mausoleum der alten Burgtheaterkunst nannten, und
der Chor dieser Stimmen ist seither nicht verstummt.
Zu groß, unpraktisch und unakustisch, überladen mit unnützem
Schmuck, sind die berechtigten Hauptgravamina, die gegen diesen
Bau Hasenauers erhoben werden. Das wichtigste Argument gegen
die Beibehaltung des Hauses als Burgtheater sind aber die enormen
Kosten, die es verschlingt, so daß kein Reingewinn auch bei aus-
verkauften Vorstellungen übrigbleibt, und da der Zuschuß aus der
kaiserlichen Zivilliste wegfällt, bleibt nur ein Ausweg: auswandern.
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der Erde, müßte unverändert bleiben, die in den Kellern aufge-
stapelten Bücherbestände von dort entfernt und es müßte für sie
Platz geschafft werden. Vielleicht könnten die ehemaligen Redouten-
säle, auch der große Festsaal der neuen Burg und sonst eine Anzahl
daranstoßender Räume dazu adaptiert werden.
Von den beiden Hoftheatern entspricht die Oper als Bauwerk
glänzend ihrer Bestimmung; sie war der erste und ist der einzig
wirklich zweckentsprechende von den großen Wiener Bauten der
zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Und daß er wirklich eine
glückliche Lösung der Aufgabe war, zeigte sich besonders deutlich
durch die Anfeindungen, denen er, wie alles wirklich Neue und
und [sic] bahnbrechend Ungewohnte bei seiner Entstehung begegnete.
Von den zwei Architekten des Operntheaters hat sich der eine
wegen dieses Verkanntseins erschossen, der andere ist aus Kummer
gestorben, während die Baukünstler, welche die übrigen monumen-
talen Aufgaben jener Jahre verschwenderisch und unvollkommen,
aber dem damaligen Geschmack entsprechend lösten, mit Ehren
und Ruhm bedeckt ins Grab gestiegen sind.
Wie die Oper der trefflichste, ist außer den Hofmuseen das
Burgtheater der mißlungenste dieser Prunkbauten. Schon gleich
nach Eröffnung dieses Hauses wurden gewichtige Stimmen laut,
die es das Mausoleum der alten Burgtheaterkunst nannten, und
der Chor dieser Stimmen ist seither nicht verstummt.
Zu groß, unpraktisch und unakustisch, überladen mit unnützem
Schmuck, sind die berechtigten Hauptgravamina, die gegen diesen
Bau Hasenauers erhoben werden. Das wichtigste Argument gegen
die Beibehaltung des Hauses als Burgtheater sind aber die enormen
Kosten, die es verschlingt, so daß kein Reingewinn auch bei aus-
verkauften Vorstellungen übrigbleibt, und da der Zuschuß aus der
kaiserlichen Zivilliste wegfällt, bleibt nur ein Ausweg: auswandern.
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