Lempruch, Moritz Erwin von: Brief an Karl Kraus. Brixen, 2.8.1915
nicht gelten lassen wollte. Ich kann seit acht Monaten
nicht mehr lachen; wie sehr werden Sie dies verstehen!
Ich bin hier in vortrefflicher ärztlicher Hand
und hofft der Primarius des hiesigen Sanatoriums, dass er
meine Darmgeschwüre medikamentös zur Heilung bringen werde;
ein operativer Eingriff wäre natürlich eine sehr ernste
Sache, die unter Umständen ans Leben ginge. Derzeit leide
ich entsetzlich; nicht nur körperlich, sondern auch daran,
dass ich im günstigsten Falle noch mehrerer Wochen benötigen
werde, bis ich an die Front eilen kann, wo sich unsere
Söhne mit geradzu antiker Grösse gegen eine vielfache Ueber-
macht schlagen und dorthin zieht es mich, da man dort den
Glauben an die Menschheit wieder findet . . . . .
Ich kann leider nicht weiter und muss Ihnen
für heute lebe wohl sagen; das Schicksal erhalte Sie uns,
die wir wissen, was Sie uns sind. Ich sende Ihnen ver-
ehrungsvollste Grüsse als Ihr treu ergebener
Lempruch Oberstlt.