[in Kienzls Handschrift:] (Karl Mich. Frh. Levetzow.),
I Stadiongasse 4 IV
[in Kienzls Handschrift:] Tel. 4206. VIII.
18. Oct. 1919.
Hochverehrter Herr Doktor
Vielen Dank vor allem für Ihre freundlichen Zeilen. Sehr lebhaft kann ich
Ihnen nachfühlen, wie schwer es Ihnen sein mag, nun überhaupt an
Schaffen zu denken und fröhlichen Mutwillen in Melodien erstehen
zu lassen. Seien Sie versichert, dass mein innigster Wunsch sich mit
dem Ihren vereint, Ihre Frau Gemahlin recht bald und vollständig
genesen zu sehen.
Was nun den „Till” betrifft, so habe ich Trotz alledem die Hoffnung nicht
aufgegeben, ihn doch noch nach - Ihrer Pfeife über die Bühnen tanzen zu
lassen. - Da ich ja nicht allein entscheiden konnte, stellte mich Ihr Brief vor ein
immerhin schwieriges Dilemma meinem Mitarbeiter gegenüber. Herr Rat Wein=
berger, der uns auf Ihren an ihn gerichteten Brief hin zu sich bat, hat nun den
gordischen Knoten in der Weise zerschnitten, dass er das Buch für sich
erwarb. So hoffe ich denn zuversichtlich, dass das Buch Ihnen erhalten bleibt -
oder besser gesagt Sie, Herr Doktor, dem Buche.
Und glauben Sie bitte nicht, dass bei mir in dieser Sache die rein materielle
Gewissheit vieler Aufführungen, die sich an Ihren Namen unzertrennlich
knüpft, ausschlaggebend ist; es sind vielmehr wirklich künstlerische Motive:
Ich glaube einerseits, dass kaum ein anderer Komponist so wie gerade Sie imstande
wären, den tiefgründigen niederdeutschen Humor und dieses Gemisch von nordischer
I Stadiongasse 4 IV
[in Kienzls Handschrift:] Tel. 4206. VIII.
18. Oct. 1919.
Hochverehrter Herr Doktor
Vielen Dank vor allem für Ihre freundlichen Zeilen. Sehr lebhaft kann ich
Ihnen nachfühlen, wie schwer es Ihnen sein mag, nun überhaupt an
Schaffen zu denken und fröhlichen Mutwillen in Melodien erstehen
zu lassen. Seien Sie versichert, dass mein innigster Wunsch sich mit
dem Ihren vereint, Ihre Frau Gemahlin recht bald und vollständig
genesen zu sehen.
Was nun den „Till” betrifft, so habe ich Trotz alledem die Hoffnung nicht
aufgegeben, ihn doch noch nach - Ihrer Pfeife über die Bühnen tanzen zu
lassen. - Da ich ja nicht allein entscheiden konnte, stellte mich Ihr Brief vor ein
immerhin schwieriges Dilemma meinem Mitarbeiter gegenüber. Herr Rat Wein=
berger, der uns auf Ihren an ihn gerichteten Brief hin zu sich bat, hat nun den
gordischen Knoten in der Weise zerschnitten, dass er das Buch für sich
erwarb. So hoffe ich denn zuversichtlich, dass das Buch Ihnen erhalten bleibt -
oder besser gesagt Sie, Herr Doktor, dem Buche.
Und glauben Sie bitte nicht, dass bei mir in dieser Sache die rein materielle
Gewissheit vieler Aufführungen, die sich an Ihren Namen unzertrennlich
knüpft, ausschlaggebend ist; es sind vielmehr wirklich künstlerische Motive:
Ich glaube einerseits, dass kaum ein anderer Komponist so wie gerade Sie imstande
wären, den tiefgründigen niederdeutschen Humor und dieses Gemisch von nordischer