10. März 1924
Verehrter Herr Ministerialrath!
Daß ich Ihre lieben Zeilen vom 14./II
nicht von Baden aus sogleich beantworten konnte,
hatte seinen Grund in einigen bedauerlichen Rückfällen,
denen ich dort in den letzten Tagen meines Aufenthaltes
ausgesetzt war. Dennoch hat der Aufenthalt meinem
Allgemeinbefinden sehr genützt, was sich erst so recht
herausstellen dürfte, wenn die sehnlichst erwartete
wärmere (und sonnigere!) Jahreszeit uns endlich
von dem wahrhaft grausamen Winter erlösen wird.
Ist dieser entsetzliche Winter nicht etwa eine Art
Strafe (die freilich viele Unschuldige träfe) für den üblen
Musik- u. Kunstbetrieb der lieben Wiener? Für den
Ihre Worte „gelinde Schauerlichkeiten” mir fast zu milde
scheinen. - Demgegenüber müssen Alle, die einer reinen
Kunstpflege dienen, um so nachdrücklicher im Geiste unserer
großen Meister wirken (Franz Liszt: „Das Festhalten des
Verehrter Herr Ministerialrath!
Daß ich Ihre lieben Zeilen vom 14./II
nicht von Baden aus sogleich beantworten konnte,
hatte seinen Grund in einigen bedauerlichen Rückfällen,
denen ich dort in den letzten Tagen meines Aufenthaltes
ausgesetzt war. Dennoch hat der Aufenthalt meinem
Allgemeinbefinden sehr genützt, was sich erst so recht
herausstellen dürfte, wenn die sehnlichst erwartete
wärmere (und sonnigere!) Jahreszeit uns endlich
von dem wahrhaft grausamen Winter erlösen wird.
Ist dieser entsetzliche Winter nicht etwa eine Art
Strafe (die freilich viele Unschuldige träfe) für den üblen
Musik- u. Kunstbetrieb der lieben Wiener? Für den
Ihre Worte „gelinde Schauerlichkeiten” mir fast zu milde
scheinen. - Demgegenüber müssen Alle, die einer reinen
Kunstpflege dienen, um so nachdrücklicher im Geiste unserer
großen Meister wirken (Franz Liszt: „Das Festhalten des