Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 11.3.1918
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Eine Auswahl natürlich. Kino, Egon u. s. w.
Zu erzählen wäre nur noch, dass mich
Egon und der Hauptmann um 1/2 1 Uhr
Nachts im Fiaker nach hause gebracht haben
und der Egon im Wagen immerzu leise
den Ärmel meiner Jacke streichelte.
Montag Vormittag Sievering. Als ich Mittag
in das Café kam war Adler da, er musste
mich sprechen. Ich erzählte ihm alles, auch
was ich Ihnen über ihm geschrieben habe.
Er sagte „Ihre Anklage ist fast richtig, ich
habe wohl verstanden wo sie hinwollen, aber
dazu haben sie noch 10 Jahre Zeit”. Ich:
„Sprechen sie nicht so böse! Sonst stehe
ich auf und gehe fort. Wissen sie, ob ich
überhaupt 10 Jahre zu leben habe?, vielleicht
sterbe ich in einem halben Jahr. Ich gehe
meinen Weg, sie bringen mich nicht auf
Abwege, denn ich folge meinem Herzen”
Nun verstandt er mich, wir trennten uns
in Freundschaft und mit der Verab=
redung alle drei nicht mehr von der
Sache zu reden, alle drei nur unserem
Gefühl zu folgen.