Loos, Lina: Brief an Gustav Grotte. o.O., 11.3.1918
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Mittag habe ich mit Mutter gegessen und jetzt
liege ich auf dem Divan und schreibe
lese, was ich geschrieben habe, und muss
sagen, ich konnte doch sagen was ich
sagen wollte. d. h. es kommt mir so vor.
Werden Sie mich auch verstehen? Ja,
denn Sie wollen mich ja verstehen -
Sie wollen?
Nun habe ich ohne es zu wissen ge=
schrieben, dass ich gut bin.
Soll ich das Blatt zerreissen?
Nein ich tue es nicht!, es bleibe
meiner evigen Schande.
Lina
Damit ist doch nur gesagt, dass verstehen
wollen, gut ist, nicht ich! (Gott, ich bin schon ganz verblödet,
vor lauter schreiben)
Um 8 Uhr bin ich in das Cafe gegangen. Carl u. Traute
sind schon 3 Tage nicht dagewesen, ich glaube sie sind
böse. Die Mutter hat zu Carl gesagt „ich kümmere mich
nicht um deine Kunst, kümmere du dich nicht um
mein Cafehaus” Ich habe Mutter recht gegeben. Dafür
kam Fränkel, ein alter Freund von mir (noch
aus der Löwenbräu Altenberg Stammtisch Zeit)
von der Front.
Um 1/2 11 Uhr zu Bett. Gute Nacht