Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Wien, 26.10.1934
mit den Wiener Zeitungen aussieht, das weißt
Du ja. Auf mein Buch setze ich doch einige Hoffnung,
ich und andere haben das Gefühl, dass man sich
allmählich wieder vom ausschließlichen Interesse
am Tag (und am Sachsenherzog Widukind) den
dauernden und wesentlichen Dingen zuwenden
wird, ob jetzt schon die Zeit dazu gekommen ist,
weiß ich freilich nicht.
Und was ist nun mit Deinem Goethe-
Buch? Du schweigst dieses Mal darüber, hoffentlich
ist das kein schlechtes Zeichen? -
2.) Othmar und Erika. Viel weiß ich nicht über
sie. Nur dieses: Erika ist eine furienhafte Fanatikerin
geworden, redet mit keinem, der nicht vorher mündlich,
schriftlich und eidlich sein Credo in unum Deum
Maximum H. abgelegt hat, so brach sie schroff jeden
Verkehr mit Paula Grogger ab, um deren Freundschaft
sie sich kurz vorher beworben hatte, aber P. G.
legte den Eid nicht ab, sie bekannte sich tapfer zum
Katholizismus.
Ihr Sohn Rafael soll in München leben, sicher
weiß ich es nicht. „Bertchen“ hat vor Monaten
einen törichten Dummen-Jungen-Streich begangen,
den er, so heißt es, (auch hier fehlen mir sichere Nachrichten)