Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Wien, 18.12.1934
Ich denke mir wohl, dass Du kein
sehr vergnügtes Leben führst, und erst zu
Weihnachten werden die traurigen Erinnerungen
über Dich kommen. Ja, lieber Freund, da gibt
es nicht zuviel Trost, aber Du hast doch so viele
süße Erinnerungen an die Dahingegangene, dass
Du Dir damit ein Jeanpaulsches Weihnachtsfest
bereiten kannst. Gewiss wirst Du am heiligen
Abend bei Beate sein?
Von Dagny wollte ich Dir noch
erzählen, dass sie recht vergnügt ist, und ihr
Mann steckt immer voller Pläne, der wird
immer obenauf schwimmen. Er ist ein lieber
und gemütlicher Mensch, hat Trude und mir
wieder sehr gut gefallen, hoffentlich sehen wir
uns nun öfter.
Dass Du mein Buch besprechen
wirst, ist lieb und freundschaftlich von Dir,
Du weißt ja, wie schwer es heute eine Arbeit
hat, die keinem was zu Gefallen schreibt, die
von den so ausschließlich interessierenden Tages-
zuständen keine Notiz nimmt (außer auf der
vorletzten Seite 376). Doch höre ich von mancher
Seite, dass man die ewige Politik satt hat
und auch wieder einmal was Zeitloses haben will.