Lux, Joseph August: Brief an Emmerich Prettenhofer. Anif-Salzburg, 14.2.1934
Verstärkung aus der Stadt. Mit Auto wurden dann die verhafteten
Nazi weggebracht. Nun fiel die Parole unter der Menge: auf zum
Lux - der ist Schuld an allem! Wir waren inzwischen ahnungslos
in der Kirche und wussten von alle dem nichts. Kaum waren wir
nach 9h früh daheim, wälzte sich der Haufe, etwa 60 - 70
Menschen gegen unser Haus. Man sah nur Hände und Füsse, es war
eckelhaft. Geschrei, wüstes Geschimpfe, Drohungen, erhobene Fäuste,
Heil Hitler Rufe und Horst Wessel Lied. Im nächsten Augenblick
begann das Bombardement. Fenster klirrten in Scherben, 30 Tafeln,
der Gartenzaun wurde zum Teil niedergerissen, die Gittertür eingeschlagen,
der Pöbel drängte an die Haustür - es war eine gefährliche Situation,
es ging auf Leben und Tod. Ich hing am Telephon, um Sukkurs
zu rufen, am Postamt, bei der Gendarmerie, bei der Polizeidirektion
in Salzburg - man weiss ja nicht, wo man zuerst Hilfe herbekommen
kann - bis ein Überfallauto aus der Stadt kommt, kann eine gute
halbe Stunde vergehen und dann ist es unter Umständen zu spät!
Meine tapfere Frau stellte sich unterdessen mit der Pistole in der Hand
hinter die Haustür, den Erstbesten niederzuknallen, der eindringen
würde - es wurde bereits an die Tür getrommelt - endlich
bin ich mit dem verfluchten Telephon fertig, stürme mit einer
achtschüssigen Steyrer Officierspistole hinunter - um die Tür
zu vertheidigen - ich wusste ja, die Bande hatte es auf mich
abgesehen und würde bei der schönen Gelegenheit tabula rasa machen,