Lux, Joseph August: Brief an Emmerich Prettenhofer. Anif-Salzburg, 14.2.1934
wir freilich besorgen, dass in der Nacht auch die Nazi
etwas versuchen, zumal in Berchtesgaden Ansammlungen von
Legionären beobachtet wurden. Hier an der Grenze ist
es nämlich immer brenzlich und unangenehm. Man
spürt zusehr die Nähe des III Reichs. Aber es blieb
erstaunlicher weise alles ruhig. Nach der Niederwerfung
der roten Revolte haben wir freilich auch den Nazi
gegenüber einen Sieg errungen - ich staune, wie zahm
sich plötzlich die braunen Hallunken in Salzburg
benommen haben - diese feige Intelligenz der
Mittelständler!
Trotz der augenblicklichen Beruhigung ist mir Anif verleidet.
Es ist betrübend, dass Bauern mit Zuchthäuslern, Kommunisten,
der als Einbrecher, schon schweren Kerker gehabt haben,
gemeinsame Sache machten. Bauern, die mit ihrem Besitz
selbst in Gottes Hand stehen, und sich an Besitzstörung,
gewalttätiger, boshafter Zerstörung beteiligen. Soweit geht
die politische Verblendung! In einem solchen Ort kann man
nicht leben und schaffen. Ich komme hier zu keiner
ruhigen Arbeit mehr, denn dazu braucht man Seelenruhe
und harmonische Verhältnisse, oder doch Frieden. Die Leute
hier sehen in mir den einzigen Exponenten der vaterländischen
Sache, das ist ihr Hass, auch ihre Furcht, weil sie