Berg, Alban: Brief an Anton von Webern. Trahütten, 14.8.1920
warten bis von selbst etwas erscheint. - Ich schrieb dies heute, und viel
ausführlicher, an Schönberg. Dem ich es gleichsam beichten mußte,
da es doch etwas ist, was gegen seinen Willen geschieht. Er
wollte doch, daß ich auf die Univ. Edit. warte. Ich glaube aber,
ihn in in meinem Brief überzeugt zu haben, daß es im vorliegenden Fall keinen
Sinn hätte auf das Anerbieten Hertzkas zu
warten, welches meiner Meinung u. Erfahrung nach
sicherlich ausbliebe, welches, wenn es in diesem Winter z. Bsp.
einsetzte dennoch eine Verzögerung von 1 Jahr - 1 Saison zur Folge
hätte u. sicherlich darnach angetan wäre, mich irgend wie ander=
weitig (z. Bsp. beim Anbruch) zu „drücken“. Der Sache zu lieb tät Hertz=
ka sowas nicht, der geriebenste aller Geschäftsleute hat zur Heraus=
gabe Deiner Sachen ja auch eines Anlaßes von außen bedurft. Ist
das nicht Himmelschreiend! Ich werde roth, wenn ich daran denke!
Weiters erscheint es mir fast inkopatibel, daß ich als Redakteur des
bei der Univ. Edit. verlegten Anbruchs ebenda als Komponist ver-
legt werde. (Schönberg ließ im Verein mich nichts von sich spielen)
Schließlich steht es Hertzka jederzeit offen mich zu verlegen: d. h. die
erschienenen Sachen dem Haslinger (Schlesinger Berlin) abzulösen oder was
anderes herauszugeben!
Die Noten, namentlich das Quartett, werden sehr hübsch werden. Ich
habe bereits die 1. Korr. gelesen. Dies und die Vorarbeiten und die
umfangreiche Korrespondenz mit - dem Verleger [Haslinger verlegt die neuen
Sachen u. erhält nur Perzente vom Verkauf (ich den größten Teil des Erlöses)] und
Waldheim & Eberle haben mich sehr viel Zeit gekostet - - und dies (nun
schließt sich der Ring meiner Entschuldigungen) war die Hauptursache, warum ich
Dir solange nicht schrieb.
Sobald ich Deine Prager Adresse weiß, schreib ich Dir ausführlich; auch über den
Wozzeck an dem ich jetzt noch gern 1, 2 Wochen arbeiten möchte. Sei 1000mal gegrüßt mein
Lieber. Alles Liebe den Deinen (auch von mnr Frau)! Dein Berg.
[seitlich links:]
Über Passacaglia u. Chor freue ich mich rasend!! Ich werde die Bürstenabzüge früher sehn als Du. Darf ich mit=
korrigieren? Wenn ich über den schreibe so geschieht es - vertrau mir - so, daß alle Deine Bedenken schwinden!