Madjera, Wolfgang: Brief an das Präsidium der Deutschösterreichischen Schriftstellergemeinschaft. Wien, 1.3.1922
Familienmitglieder steht.“
Meine Frau, die ebenfalls von dem beständigen Kampf ums
Dasein ganz zermürbt ist, hat versucht, durch Einrichtung eines
„Privat=Mittagstisches“ für einige Gäste unsere wirtschaftliche Lage
zu verbessern. Vorgestern ist sie infolge der lang andauernden Über=
anstrengung unter Wein= und Herzkrämpfen zusammengebrochen, und
ich bin in größter Sorge, ob und wie ich eine Wiederherstellung ihrer
ernstlich angegriffenen Gesundheit bewirken kann.
Ich glaube nicht darauf hinweisen zu müssen, daß meine
bisherigen dichterischen und schriftstellerischen Leistungen sich sowohl im In=
als im Auslande des besten Rufes erfreuen, und daß ich mich auch
auf journalistischem Gebiet stets unentwegt und mit Eifer für den
Aufbau einer neuen, von den Geboten der Sittlichkeit und Liebe beherrsch=
ten Welt auf den Trümmern der alten eingesetzt habe. Diese Umstände
dürften dem geehrten Präsidium der „Deutschöst. Schriftstellergenossenschaft“
wohl bekannt sein.
Indem ich mich der Hoffnung auf eine günstige Erledigung meines
Ansuchens hingebe, zeichne ich
hochachtungsvoll ergeben
Dr Wolfgang Madjera
Schriftsteller
Wien 18/₁ Anastasius Grün-Gasse 25.