Wien 4., Johann-Strauß-Gasse 6, am 10. November 1931.
Teurer Sepp !
Sei nicht ungehalten, weil ich Dir noch nicht geschrieben
habe und auch jetzt nur, inmitten verschiedener dringender Arbeiten,
einige Zeilen diktieren kann!
Die drei Tage in München, die ich Deiner Güte verdanke,
waren für mich in mehrfacher Hinsicht von hohem Wert, da ich auch
einige literarische und künstlerische Verbindungen teils anknüpfen,
teils neu befestigen konnte. Das Wertvollste war aber doch die Teil-
nahme an der Aufführung und an den großen und verdienten Ehrungen,
die Dir erwiesen wurden. Am Tage Deiner Abreise war ich noch bei
Hausegger geladen, mit dem ich schon seit langem gut bekannt bin
und der mir mit ungeschminkter Herzlichkeit den starken Eindruck
bekannte, den er von Deinem Werke empfangen. Noch gewichtiger war
mir aber die Anwesenheit Waltershausens beim Konzert und bei der
Nachfeier, da dieser Herr, auch infolge seines körperlichen Gebre-
chens, sonst recht spießig und unzugänglich ist und sich auf seine
eigenen Tonschöpfungen gewaltig viel einbildet. Auch sonst sah ich,
daß die Münchner unbefangener, weitherziger, vornehmer und taktvol-
ler sind als in der Regel die Wiener (was sich freilich sofort än-
dern dürfte, wenn Du etwa Münchner werden wolltest). Die Münchner
Presse hat sich ja im allgemeinen vernünftig und anständig benommen,
mit einziger Ausnahme der "Neuesten Nachrichten", die doch zuerst
sogar ein Feuilleton von mir haben wollten und eine sehr gute Vor-
notiz brachten. Der H.v.Pander, der schon oft Anstände mit den Kon-
Teurer Sepp !
Sei nicht ungehalten, weil ich Dir noch nicht geschrieben
habe und auch jetzt nur, inmitten verschiedener dringender Arbeiten,
einige Zeilen diktieren kann!
Die drei Tage in München, die ich Deiner Güte verdanke,
waren für mich in mehrfacher Hinsicht von hohem Wert, da ich auch
einige literarische und künstlerische Verbindungen teils anknüpfen,
teils neu befestigen konnte. Das Wertvollste war aber doch die Teil-
nahme an der Aufführung und an den großen und verdienten Ehrungen,
die Dir erwiesen wurden. Am Tage Deiner Abreise war ich noch bei
Hausegger geladen, mit dem ich schon seit langem gut bekannt bin
und der mir mit ungeschminkter Herzlichkeit den starken Eindruck
bekannte, den er von Deinem Werke empfangen. Noch gewichtiger war
mir aber die Anwesenheit Waltershausens beim Konzert und bei der
Nachfeier, da dieser Herr, auch infolge seines körperlichen Gebre-
chens, sonst recht spießig und unzugänglich ist und sich auf seine
eigenen Tonschöpfungen gewaltig viel einbildet. Auch sonst sah ich,
daß die Münchner unbefangener, weitherziger, vornehmer und taktvol-
ler sind als in der Regel die Wiener (was sich freilich sofort än-
dern dürfte, wenn Du etwa Münchner werden wolltest). Die Münchner
Presse hat sich ja im allgemeinen vernünftig und anständig benommen,
mit einziger Ausnahme der "Neuesten Nachrichten", die doch zuerst
sogar ein Feuilleton von mir haben wollten und eine sehr gute Vor-
notiz brachten. Der H.v.Pander, der schon oft Anstände mit den Kon-