[in rot, auf Hermann Bahr verweisend:] bei Hitler gelandet!
Hermann Bahr, Österreich in Ewigkeit. Roman 164 Seiten,
auf hfr. federleicht Dickdruckpapier, brosch. 2.50 RM.,
Ganzleinenbd. 4.— RM. Verlag Franz Borgmeyer,
Hildesheim.
Innerhalb der auf zwölf Bände berechneten Reihe roman=
hafter deutsch=österreichischer Kulturbilder, in denen Hermann
Bahr ein objektiviertes Abbild der Menschheit und der Le=
bensmächte seines Zeitalters entrollen will, stößt der Dichter
mit seinem neuesten (siebenten) Roman jener Romanfolge
„Österreich in Ewigkeit“ bis mitten in die politische
Problematik des seit dem Frieden von St. Germain von einer
Krise in die andere stürzenden Donaustaates vor. Noch nie
zuvor war Bahr so sehr politischer Dichter wie in diesem
Werk, das gar kein „Roman“ im üblichen Sinne genannt
werden kann. Denn gerade auf die Elemente, die das Wesen
der Romanform ausmachen, insbesondere auf eine fort=
schreitende, sich steigernde und entweder in einer Katastrophe
endende oder in einer harmonischen Lösung verklingende
Handlung hat Bahr in diesem Buche offenbar bewußt fast
völlig verzichtet. Gewiß läßt er auch diesmal, — wie es ihm,
wohl schon aus Gründen einer äußeren Kennzeichnung der
inneren Einheit der ganzen Romanfolge zur Gewohnheit
geworden ist, — Gestalten früherer Romane erneut auftreten,
so die alte, nun schon uralte Fürstin Uldus oder den Maler
Höfelind, der aus seiner Verschollenheit unter anderem
Namen auftaucht. Aber diese und die anderen Personen des
Romans: der Staatsanwalt, der Notar, der Prälat (der die
Züge des Alt=Bundeskanzlers Dr. Seipel trägt) u. s. f. sind
vom Dichter zwar scharf charakterisiert, doch garnicht als
Träger einer Handlung gedacht. Bahr bedient sich ihrer viel=
mehr nur als Sprachrohre, als Vermittler seiner Gedanken
über das österreichische Problem und die Möglichkeiten seiner
Lösung. Ein lockeres szenisches Gerüst: Besuch der alten
Fürstin, deren Gestalt Altösterreich und sein Regime reprä=
sentiert, in der reaktionär gesinnten Provinz, dem Städtchen
Adensham, einer der Keimzellen des Wiederaufbaus und der
Erneuerung Österreichs im Gegensatz zur sozialistischen Lan=
desregierung in der Hauptstadt und die Befruchtung der
ganzen Erneuerungsbewegung durch diesen Besuch. Dieser
einfache szenische Rahmen genügt Bahr vollauf, um durch den
Mund der hineingestellten Personen das Problem nach den
verschiedensten Gesichtspunkten erörtern und beleuchten, das
heißt, es gleichsam in seinem lebendigen Fluß hinströmen zu
lassen, was selbst in der Form eines tiefgründigen Essays
nicht gleich wirkungsvoll hätte geschehen können.
Mit diesem Roman, hat Bahr, mag man zu seiner darin
zum Ausdruck kommenden politischen Ideologie positiv oder
Hermann Bahr, Österreich in Ewigkeit. Roman 164 Seiten,
auf hfr. federleicht Dickdruckpapier, brosch. 2.50 RM.,
Ganzleinenbd. 4.— RM. Verlag Franz Borgmeyer,
Hildesheim.
Innerhalb der auf zwölf Bände berechneten Reihe roman=
hafter deutsch=österreichischer Kulturbilder, in denen Hermann
Bahr ein objektiviertes Abbild der Menschheit und der Le=
bensmächte seines Zeitalters entrollen will, stößt der Dichter
mit seinem neuesten (siebenten) Roman jener Romanfolge
„Österreich in Ewigkeit“ bis mitten in die politische
Problematik des seit dem Frieden von St. Germain von einer
Krise in die andere stürzenden Donaustaates vor. Noch nie
zuvor war Bahr so sehr politischer Dichter wie in diesem
Werk, das gar kein „Roman“ im üblichen Sinne genannt
werden kann. Denn gerade auf die Elemente, die das Wesen
der Romanform ausmachen, insbesondere auf eine fort=
schreitende, sich steigernde und entweder in einer Katastrophe
endende oder in einer harmonischen Lösung verklingende
Handlung hat Bahr in diesem Buche offenbar bewußt fast
völlig verzichtet. Gewiß läßt er auch diesmal, — wie es ihm,
wohl schon aus Gründen einer äußeren Kennzeichnung der
inneren Einheit der ganzen Romanfolge zur Gewohnheit
geworden ist, — Gestalten früherer Romane erneut auftreten,
so die alte, nun schon uralte Fürstin Uldus oder den Maler
Höfelind, der aus seiner Verschollenheit unter anderem
Namen auftaucht. Aber diese und die anderen Personen des
Romans: der Staatsanwalt, der Notar, der Prälat (der die
Züge des Alt=Bundeskanzlers Dr. Seipel trägt) u. s. f. sind
vom Dichter zwar scharf charakterisiert, doch garnicht als
Träger einer Handlung gedacht. Bahr bedient sich ihrer viel=
mehr nur als Sprachrohre, als Vermittler seiner Gedanken
über das österreichische Problem und die Möglichkeiten seiner
Lösung. Ein lockeres szenisches Gerüst: Besuch der alten
Fürstin, deren Gestalt Altösterreich und sein Regime reprä=
sentiert, in der reaktionär gesinnten Provinz, dem Städtchen
Adensham, einer der Keimzellen des Wiederaufbaus und der
Erneuerung Österreichs im Gegensatz zur sozialistischen Lan=
desregierung in der Hauptstadt und die Befruchtung der
ganzen Erneuerungsbewegung durch diesen Besuch. Dieser
einfache szenische Rahmen genügt Bahr vollauf, um durch den
Mund der hineingestellten Personen das Problem nach den
verschiedensten Gesichtspunkten erörtern und beleuchten, das
heißt, es gleichsam in seinem lebendigen Fluß hinströmen zu
lassen, was selbst in der Form eines tiefgründigen Essays
nicht gleich wirkungsvoll hätte geschehen können.
Mit diesem Roman, hat Bahr, mag man zu seiner darin
zum Ausdruck kommenden politischen Ideologie positiv oder