3.
einfach gestrichen. Auch das Alles wäre ja ganz gleichgültig, da Anita nicht mehr
lebt. Aber ich habe jetzt in meinen alten Tagen, selber ein heimathloser Zigeuner,
für vier alte, erwerbsunfähige, ganz verarmte Verwandte zu sorgen, die früher
vermögende Rentner waren; und die ohne mein Unterstützung jetzt schon lange
verhungert wären. Also treibt die Pflicht-Peitsche weiter, so lange es eben noch
geht.
Du wirst Dich wundern, dass Du von mir ein so endloses Getratsche zu lesen
bekommst. Aber: gestern Abend schlenderte ich durch die Stadt, ein Fremder
unter Fremden; zum Stefanie-Saal; zur Musikschule in der Burg=(oder ist es
Bürger=?)Gasse; durch die Zinzendorfgasse, wo ich Anita vor 40 Jahren
Fenster-Promenaden machte; zum alten Theater; in's Paradeis; durch den Graben
hinaus auf den Weg zum Brodschimpel. Alte Zeiten wurden lebendig; ich sah
Dich durch die Sporgasse heraufstürmen (gegangen bist Du ja damals nie) zu meiner
schäbigen Bude ober Caffée Polarstern - erinnerst Du Dich noch? Dazu Deine Ein-
ladung nach Aussee - seit Langem habe ich mich nicht mehr aussprechen können -
nun hast Du die Bescheerung.
Jetzt wirst Du auch erkennen, dass ich ein durchaus unerfreulicher
Besucher wäre; ich bin ein harter, unduldsamer, bitterer Eigenbrödler geworden
und passe nicht mehr unter Menschen. - Mein eigenes Schicksal wird mir
natürlich verschärft durch die Zustände in Deutschland. Unnöthig zu sagen,
dass das „odi profanum vulgus” immer mein Leitspruch war; dass [ἄϱιστoι] als
politische Lenker meinem Fühlen zehntausendmal näher sind als der süsse [δῆμos];
und dass ich mir in dieser, von den Juden dem germanischen Wesen aufgezwungenen
Republik vorkomme, wie sich etwa ein Inder erster Kaste in einem Chicagoer
Schlachthaus vorkommen muss. - Auch dieser Umstand würde vielleicht in
unser Zusammensein eine Dissonanz tragen; bin ich falsch berichtet - oder hast
Du wirklich die neue oesterreichische Bundes-Hymne componirt?
Eben, wie ich mein Geschreibsel noch einmal durchlas,
einfach gestrichen. Auch das Alles wäre ja ganz gleichgültig, da Anita nicht mehr
lebt. Aber ich habe jetzt in meinen alten Tagen, selber ein heimathloser Zigeuner,
für vier alte, erwerbsunfähige, ganz verarmte Verwandte zu sorgen, die früher
vermögende Rentner waren; und die ohne mein Unterstützung jetzt schon lange
verhungert wären. Also treibt die Pflicht-Peitsche weiter, so lange es eben noch
geht.
Du wirst Dich wundern, dass Du von mir ein so endloses Getratsche zu lesen
bekommst. Aber: gestern Abend schlenderte ich durch die Stadt, ein Fremder
unter Fremden; zum Stefanie-Saal; zur Musikschule in der Burg=(oder ist es
Bürger=?)Gasse; durch die Zinzendorfgasse, wo ich Anita vor 40 Jahren
Fenster-Promenaden machte; zum alten Theater; in's Paradeis; durch den Graben
hinaus auf den Weg zum Brodschimpel. Alte Zeiten wurden lebendig; ich sah
Dich durch die Sporgasse heraufstürmen (gegangen bist Du ja damals nie) zu meiner
schäbigen Bude ober Caffée Polarstern - erinnerst Du Dich noch? Dazu Deine Ein-
ladung nach Aussee - seit Langem habe ich mich nicht mehr aussprechen können -
nun hast Du die Bescheerung.
Jetzt wirst Du auch erkennen, dass ich ein durchaus unerfreulicher
Besucher wäre; ich bin ein harter, unduldsamer, bitterer Eigenbrödler geworden
und passe nicht mehr unter Menschen. - Mein eigenes Schicksal wird mir
natürlich verschärft durch die Zustände in Deutschland. Unnöthig zu sagen,
dass das „odi profanum vulgus” immer mein Leitspruch war; dass [ἄϱιστoι] als
politische Lenker meinem Fühlen zehntausendmal näher sind als der süsse [δῆμos];
und dass ich mir in dieser, von den Juden dem germanischen Wesen aufgezwungenen
Republik vorkomme, wie sich etwa ein Inder erster Kaste in einem Chicagoer
Schlachthaus vorkommen muss. - Auch dieser Umstand würde vielleicht in
unser Zusammensein eine Dissonanz tragen; bin ich falsch berichtet - oder hast
Du wirklich die neue oesterreichische Bundes-Hymne componirt?
Eben, wie ich mein Geschreibsel noch einmal durchlas,