Myrbach-Rheinfeld, Felician von: Brief an Heinrich Kautsch. Barcelona, 3.3.1933
Umso erfreulicher ist's darum zu lesen, daß es
Dir gut geht und Du reich entlohnte Aufträge
hast. Alles liegt also noch nicht darnieder
in dem gewaltigen Ost-Reich (Oesterreich). So
kann ich Deine Glückwünsche gleich durch meine
an Dich gerichteten erwidern.
Meinen Geburtstag habe ich in bester Stimmung
unter guten Freunden gefeiert. Sogar getanzt
habe ich, aber nicht mit Damen, sondern einem
Mäderl von 12 Jahren, im Stil der alten Walzer
von dazumal. Und eigentlich ist der Tango auch
schon wieder ein veraltetes Ding geworden. Wie
lange ist es her daß ich in Deinem Hause den
ersten Tango tanzen sah? Mehr als 20 Jahre!
Ich bin sehr geschmeichelt, daß Du ein Bild von
mir zu sehen wünschst. Leider kann ich im
Moment keines senden, aber ich werde mich näch-
stens amateurlich konterfeien lassen und
werde Dir eines senden. Aber das sage ich gleich:
schön sind wir nicht!
Auf Rosen sind wir hier auch nicht gebettet.
Aber langsam gewöhnt man sich auch an die Wider-
wärtigkeiten und man lässt sich sachte hinüber-
tragen wo's weder Kaiserreiche noch Republiken
gibt. Und das hat ja doch auch sein Schönes.
Nehme nochmals meinen herzlichen
Dank. Du hast mir eine grosse Freude
bereitet und ausserdem einen kurzen Ein-
blick in Dein gegenwärtiges Leben gestattet.
Es umarmt Dich Dein treuer Freund
Myrbach