Natter, Ottilie: Brief an Maia von Kralik. Gmunden, 23.12.1917
Als ich wieder heimkehrte war
mir recht öde zumute, so entschloß
ich mich für wenige Tage, die mir
noch vor Weihnachten blieben, nach
Wien zu gehen. Ich wohnte bei
Bekannten die kein Telephon ha=
ben, trotzdem versuchte ich wieder=
holt Sie anzurufen, was erfolg=
los blieb. Als ich Ihnen meinen
Besuch schriftlich ankündigen woll=
te verbreitete sich die Nachricht
die Züge würden eingestellt, so
eilte ich zurück, ohne Sie gesehen
zu haben - also wiederum ein
Mißgeschick! - Wie gerne hätte
ich Sie gesprochen und mir viele
liebe, gute Eindrücke mit nach
hause gebracht.
Mögen Sie diese Zeilen im
besten Wohlsein antreffen. Und
seien Sie mit Ihrem lieben
Gatten auf das Freundlichste
gegrüßt.
In freundschaftlicher Ergeben
heit,
Ihre
[seitlich links:]
Ottilie Natter