Natter, Ottilie: Brief an Maia von Kralik. Gmunden, 27.6.1915
der mir fast wie ein Sohn nahestand,
betroffen worden. Er war das einzi=
ge Kind seiner Eltern, die Stütze sei=
ner Eltern, das Alles seiner Eltern.
Ihrem Gesellschaftskreise, so viel ich
weiß, stand er ferne, dieser bravste
aller Braven. Vielleicht haben Sie sei=
nen Namen gekannt, Doktor Fritz Ed=
linger war es. Auch eine Braut die
um ihn trauert hinterläßt er. Seine
arme, gute Mutter war bis gestern
bei mir, wo sie etwas Trost zu finden
meinte, weil sie wußte wie herzinnig
lieb ich ihren Sohn hatte. - Der In=
halt meines Briefes ist eigentlich
nicht passend für eine harrende, be=
sorgte Mutter, verzeihen Sie es mir
daß ich klage. Immer mehr und mehr
schnürrt jeden die drückende Kriegs=