Naaff, Anton Franz August: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 3.12.1916
Einsam, immer einsamer wird es um Einen . . .
Vor einiger Zeit ist nun auch meine 7. Sammlung
der Gedichte im Drucke herausgekommen, nach mehr
als 2jährigen Mühen u. Hemmungen. Ich sende Ihnen
ein Widmungsstück „Zwischen den Wettern” u.
bitte Sie es freundlich aufzunehmen u. wenn möglich,
mir rückhaltlos Ihr mir wichtiges Urteil zu geben
Zugleich frage ich hiemit an, ob ich auch ein Buch
sammt Dankschreiben an das k. k. Unterrichts=Ministerium
abgehen lassen soll, da mir vor kurzem ein
Förderungs=Betrag mit 800 Kronen zugekommen ist.
Ich kann den Betrag sehr notwendig gebrauchen; doch
wäre es nun viel nötiger, wenn er in - Lebens=Mitteln
bestünde! Da wahrscheinlich Ihr Wohlwollen
bei der Verleihung entscheidend gewesen sein
mag, so sage ich hiefür aufrichtigen Dank!
Vielleicht könnte ich Dankschreiben u. Buch für das k. k. Unter=
richts=Ministerium auch gleich an Ihr g. Amt leiten
od. dort abgeben? Einige Städte haben eine Anzahl
meiner „Kriegsgedichte”, grünes Heftchen u. nun auch
„Zwischen den Wettern” gekauft u. senden sie den
Truppen ins Feld. So komme ich wenigstens im Buche
an die Front. Ich hoffe, daß Sie sammt Familie gesund
u. tatkräftig wie immer sind u. bin mit
steter Wertschätzung wie stets Ihr
nun auch immer mehr am Kriege
leidender, dankschuldiger
AntAugNaaff
Mein Augenleiden hat sich durch die Kur
wieder merkbar gebessert; möge es doch leidlich
so weitergehen!