Noder, Anton Alfred: Brief an Franz Karl Ginzkey. München, 7.9.1931
München 7.IX.31
Werde nicht alt!
Von A. De Nora
Es hämmert in mir mit zäher Gewalt
ein Hammer, ein Hammer wie erzen:
Werde nicht alt! Werde nicht alt
im Herzen!
Verknöchere nicht und vermaure Dich nicht
vor Allem, was Menschenart!
Halte Dein unbestechlich Gesicht,
Dein freies Gesicht gewahrt!
Schau immer voran! Und schaust Du zurück,
dann nur: um Dich schreiten zu seh'n!
Das Tal im Rücken, den Gipfel im Blick -
Bleibe nicht steh'n!
Und fühle selbst hinter des Todes „Halt!"
ein neues Blühen und Märzen!
Werde nicht alt! Werde nicht alt
im Herzen!
Lieber verehrter Freund und Dichter!
Aus den Zeitungen muß man erfahren, daß Sie Ihren Sechziger
begehen? Ich bin erstaunt, daß Staackmann uns nicht Alle zu einer
schönen gemeinsamen Gabe vereinigt hat und so die Wünsche des
Einzelnen noch zu einem schönen Gedenkfest des Verlages vereinte.
Aber da die heutige Zeit nicht nach Jubelfeiern aussieht, und
auch unsere Seele trauert, mag er es wohl unterlassen haben.
Nehmen Sie also die Glückwünsche, die meine Frau und ich
Ihnen senden, an Stelle des Blumenstraußes und Händedrucks,
die wir Ihnen am liebsten persönlich spendeten, - wenn nicht
gerade in diesen Tagen mein Zeileisinstitut zusammengebro-