Quincke, Wolfgang: Brief an Luise Necker. Oberaudorf, 24.8.1921
Oberaudorf, den 24. Aug. 21
Verehrtes Fräulein Luise!
Oder, da Sie in Piesting bei Fräu-
lein Käthchen sind, so darf ich wohl die Anrede: „liebe Kinder“
gebrauchen, denn die Schwester wird den Brief ja auch lesen;
ich denke mir, Ihr sprecht doch über alles miteinander? - Die Grüsse
an Mieze habe ich bestellt; sie ist mit einer Schülerin in Borkum
an der Nordsee & kommt Mitte September her, wenn wir sie dann
unterbringen können.
Also Gerold scheidet aus. Wie mir Dr. Dörrer (Universitätsbibliothekar
in Innsbruck, Sondergebiet: Literaturgeschichte Tirols) sagte, hat der Wiener
Literarische Verein den Vertrieb seiner Veröffentlichungen der Wiener
Literarischen Anstalt („Wila“) VIII Krottentaler Strasse übergeben. Diesen
Verlag hält er für empfehlenswert. Die in Österreich erscheinenden Bücher,
meint er, würden ebenso teuer, wie die deutschen. Übrigens: was ist denn
mit den übrigen Gilm-Briefen geworden, die Euer Vater noch gesammelt
hatte? Ist der Zweite Band erschienen?
Von deutschen Verlegern scheint mir Grunow in erster Linie in Betracht
zu kommen, weil er schon eine gleichartige Sammlung verlegt hat.
Ihn würde ich zuerst angehn, dann C. H. Beck in München, und zu-
letzt Staackmann. Dieser bringe, sagt mir Dr. D., wissenschaftliches meist nur
über seine Verfasser, d. h. von denen er schöne Literatur verlegt habe. -
Den Briefentwurf an die Hoffmänner schicken Sie mir nur auch: ich sage
Ihnen dann, wie er mir scheint. An Ihrer Statt würde ich annehmen, denen liege
dasselbe am Herzen wie Ihnen: die Werte, die in diesem Briefwechsel liegen, der li-
terargeschichtlichen Forschung zu erhalten, und das gleich im Anfang aussprechen.
‚In dieser Voraussetzung machten Sie folgende Vorschläge u. s. w., würden aber
auch einen andern Weg betreten, auf dem jenes Ziel erreicht werden könnte, wenn