von der andern Seite ein solcher gezeigt würde. Wenn der Briefwechsel solchergestalt davor ge-
sichert werde, dass er in der nächsten Generation verzettelt oder verworfen
werde und verloren gehe, so seien Sie bereit, den Tausch einzugehn?
Das wärs vorderhand. - Und im nächsten Brief lassen Sie uns wissen,
ob Sie auch ohne 4 Stunden Liegekur auf dem Lande pumperlgesund
werden.
Dass die Bücher von Ferdinand Lotheissen nicht mehr „gehn“, muss
nicht allein an Gerold liegen. Seinerzeit gingen sie, und ich habe vor
35 bis 40 Jahren seine französische Literaturgeschichte des 17. Jh. selbst
eifrig gelesen. Sie müssen aber bedenken, dass dergleichen wissenschaftliche
Arbeiten veralten und durch neuere verdrängt werden, sobald sie nicht
mehr in immer neuen Auflagen auf der Höhe der Forschung gehalten
werden. Und das setzt schon voraus, dass sie „gehn“. Es ist schon viel
gewesen, dass Ihr Vater eine zweite Auflage durchsetzen konnte.
Etwas tut auch die Abgeschlossenheit Oesterreichs vom Reiche - die nicht
gegenseitig war. In allen grossen deutschen Städten konnten Sie die Neue
Freie Presse und allenfalls das N. W. Tagblatt oder das W. Journal
kaufen. In ganz Wien nicht eine einzige reichsdeutsche Zeitung!
Dabei muss man freilich wieder in Betracht ziehn: der Wiener kauft keine
Zeitung, sondern liest sie im Kaffeehaus. Jedenfalls war die österrei-
chische Literatur (giebt es eine solche? Ich verwerfe die Bezeichnung,
lasse auch keine „schweizerische“ gelten) in Deutschland bekannter, als die
in Deutschland erschienenen Werke reichsdeutscher Schriftsteller in Öster-
reich waren.
Meine Frau grüsst Euch beide herzlich mit mir.
Ich habe mich gar nicht gewundert, dass nicht gleich Antwort
kam: Sie mussten doch erst überlegen und dann Schritte tun, selbst wenn
Sie nicht nach P. gefahren wären. Wer schreibt heutzutage einen
uberflüssigen Brief, bloss um zu schreiben! Ihnen beiden alles Gute
Ihr
getreuer Wolfgang Quincke.
sichert werde, dass er in der nächsten Generation verzettelt oder verworfen
werde und verloren gehe, so seien Sie bereit, den Tausch einzugehn?
Das wärs vorderhand. - Und im nächsten Brief lassen Sie uns wissen,
ob Sie auch ohne 4 Stunden Liegekur auf dem Lande pumperlgesund
werden.
Dass die Bücher von Ferdinand Lotheissen nicht mehr „gehn“, muss
nicht allein an Gerold liegen. Seinerzeit gingen sie, und ich habe vor
35 bis 40 Jahren seine französische Literaturgeschichte des 17. Jh. selbst
eifrig gelesen. Sie müssen aber bedenken, dass dergleichen wissenschaftliche
Arbeiten veralten und durch neuere verdrängt werden, sobald sie nicht
mehr in immer neuen Auflagen auf der Höhe der Forschung gehalten
werden. Und das setzt schon voraus, dass sie „gehn“. Es ist schon viel
gewesen, dass Ihr Vater eine zweite Auflage durchsetzen konnte.
Etwas tut auch die Abgeschlossenheit Oesterreichs vom Reiche - die nicht
gegenseitig war. In allen grossen deutschen Städten konnten Sie die Neue
Freie Presse und allenfalls das N. W. Tagblatt oder das W. Journal
kaufen. In ganz Wien nicht eine einzige reichsdeutsche Zeitung!
Dabei muss man freilich wieder in Betracht ziehn: der Wiener kauft keine
Zeitung, sondern liest sie im Kaffeehaus. Jedenfalls war die österrei-
chische Literatur (giebt es eine solche? Ich verwerfe die Bezeichnung,
lasse auch keine „schweizerische“ gelten) in Deutschland bekannter, als die
in Deutschland erschienenen Werke reichsdeutscher Schriftsteller in Öster-
reich waren.
Meine Frau grüsst Euch beide herzlich mit mir.
Ich habe mich gar nicht gewundert, dass nicht gleich Antwort
kam: Sie mussten doch erst überlegen und dann Schritte tun, selbst wenn
Sie nicht nach P. gefahren wären. Wer schreibt heutzutage einen
uberflüssigen Brief, bloss um zu schreiben! Ihnen beiden alles Gute
Ihr
getreuer Wolfgang Quincke.